Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
86
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der Tribun und seine Gattin entflohen waren. Nie-mand aber wußte wohin. Viele vermuthcten, sie seienbereits todt, Opfer der zahlreichen Räuber, die un-mittelbar nach dem Fall des Tribuns sich wieder inihren früheren Schlupfwinkeln feilschten und wederAlter noch Geschlecht, weder Neichthnm noch Armuthverschonten. Da Alles, was den Ertribnn betraf, Ge-genstand lebhaften Interesses war, so hatte der Pilgerauch erfahren, daß Rienzi'S Schwester vor seinemFalle Rom verlassen habe, aber man wußte nicht,wohin sie geführt worden war.

Diese Nachrichten rissen Adrian sogleich aus seinemträumerischen Leben. So war denn Irene in der Lage,die sein Brief zu schildern gewagt hatte — von ihremBruder getrennt, von ihrer Höhe gefallen, verlassenund ohne Freunde. „Jetzt," sagte der edle und hoch-herzige Liebende, „kann sie die Meinige werden ohneVorwurf für meinen Namen. Welche Fehler Nicnziauch begangen haben mag, so ist sic nicht darein ver-flochten. Ihre Hände sind nicht roth von dem Blutemeiner Verwandten; auch kann Niemand sagen, daßAdrian di Castello sich mit einem Fürsten verbindet,dessen Macht auf den Trümmern des Hauses Colonnaerbaut sei. Die Colonna sind wieder in ihrer Macht— triumphiren wieder — Nienzi ist nichts — Unglückund Jammer vereinigen mich auf einmal mit der-jenigen, welche sie betroffen!"

Aber wie sollte er diese romantischen Entschlüsseausführen, da Irenens Aufenthaltsort unbekannt war?Er faßte den Entschluß, sich nach Nom zu begeben,