Druckschrift 
2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

Eliahu in der Wüste.

31

an den Baalspriestern; er befahl dem Volke, sie zu ergreifen, zu tödtenund ihre Leichen in den vorüberfließenden Kischon zu werfen. Deranwesende Achab, betäubt von den Vorgängen, ließ es geschehen.

Nicht so gleichgültig nahm die blutdürstige Jsebdl die Sache.Sobald sie Kunde davon hatte, bedrohte sie Eliahu, ihm, falls sieseiner habhaft werden sollte, dasselbe Geschick zu bereiten. In Folgedessen mußte er auf seine Rettung bedacht sein, entfloh nach dem ReicheJuda, scheint aber dort unter dem Könige Josaphat wegen dessenBündnisses mit Achab keinen Schutz gefunden zu haben, eilte immerweiter über Beerseba hinaus und war so verzweifelt, daß er denTod herbeiwünschte. Durch ein Traumgesicht gestärkt, worin er dieWeisung erhielt, weiter in die Wüste bis zum Berge Horeb zu wandern,begab er sich dahin. An der Stätte, wo die reine und einfacheLehre von Gott und den Gesetzen der sittlichen Ordnung geoffenbartworden, sollte er erfahren, daß er in seinem Eifer für diese Lehre zuweit gegangen war. Als er hier in einer Grotte des Sinai inschauerlicher Einsamkeit, wo ihm nur das eigene Wort wiedertönte, sichin Klagen ergoß:Ich habe für Jhwh geeifert, weil die Israeliten

deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Prophetenvertilgt haben; und ich bin allein übrig geblieben, und auch nachmeinem Leben trachten sie," erhielt er eine Antwort durch Zeichen,daß Gott nicht im Sturm spreche und nicht im Erdbeben und nichtin Feuersgluth, sondern in einem sanften Säuseln." Ihm wurdebedeutet, auf seinem Wege umzukehren, einen Nachfolger zu bestellenund vom Schauplatze abzutreten. Sein rücksichtsloser Eifer, der sichbis zum Blutvergießen gesteigert hatte, wurde am Horeb getadelt fl.

Während Eliahu's längerer Abwesenheit scheint eine Art Waffen-stillstand zwischen dem Omri'schen Königshause und den Anhängerndes Thisbiten eingetreten zu sein. Achab, der Zeuge der Vorgängeam Karmel gewesen, war wohl in seinem Vertrauen zum Baal lauergeworden und hat der Verfolgung der Jhwh-Propheten, so weit esin seiner Macht stand, Einhalt gethan. Diese selbst scheinen in ihremEifer nachgelassen zu haben. Es bildeten sich Kreise von Propheten-jüngern in Gilgal, wo schon unter Samuel ein Prophetenorden war(I, S. 153), ferner in Jericho und selbst in Bethel"), und siewurden nicht verfolgt. Nur ein einziger dieser Propheten oderProphetenjünger blieb unfreundlich gegen Achab, Michajhu (Micha),

fl Das. 19, 916. Die Worte:Nicht im Sturme ist der Herr" undder Befehl an Eliahu, Elisa zu ernennen, sind unstreitig Tadelsäußerungen gegenEliahu's Eifer.

fl Folgt aus Könige II, 2, 2 fg.