Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
264
Einzelbild herunterladen
 

/

264 Geschichte der Juden.

Sein ältester Sohn Amnon, welcher der Thronfolge gewiß zusein und sich Alles erlauben zu dürfen glaubte, liebte leidenschaftlichseine Stiefschwester Thamar, Tochter der Gesuriterin Maacha undSchwester Absalom's ^), aber in sträflicher Liebe. Leicht wäre es ihmgewesen, um ihre Hand anzuhalten; allein das war nicht seineAbsicht. Auf den bösen Rath seines Vetters und Freundes Jona-dab lockte er sie, Krankheit vorschützend, in sein Zimmer, schändetesie und, seiner Schamlosigkeit noch Hohn hinzufngend, ließ er sie ausseinem Zimmer werfen, als hätte sie ihn, einen keuschen Joseph,verführen wollen. Händeringend, weinend, mit zerrissenen Gewän-dern schritt Thamar ihren Gemächern zu. In diesem aufgeregtenZustande traf sie ihr Bruder Absalom. Bei diesem Anblick seinerSchwester zuckte ihm ein Plan durch die Seele. Er beruhigte sie,legte ihr Schweigen auf und versprach ihr vollständige Rache.David erfuhr von dem frechen Bubenstück, und es schmerzte ihntief; aber er war zu milde gegen seine Kinder und ließ ihnenThorheiten und Vergehungen hingehend). Absalom wußte > Haßgegen seinen älteren Bruder, den Schänder seiner Schwester, imHerzen hegend und einen Plan zu dessen Verderben brütend, ihnzwei Jahre zu verbergen. Er sprach kein freundliches, aber auchkein feindliches Wort zu ihm, um ihn, wie seinen Vater in Sicher-heit einzuwiegen und glauben zu machen, daß er die Schändungseiner Schwester vergessen habe. Er war eben so gewandt in Ver-schlossenheit wie Achitophel. Dieser war vielleicht mit ihm imBündniß und hat ihm sein Verhalten vorgezeichnet.

Jeder der erwachsenen königlichen Söhne David hatte derenzu den sechs, die ihm in Hebron geboren waren, noch eilf inJerusalem gezeugt hatte ein eignes Haus, einen Hausstand undLändereien. Absalom hatte seine Güter und Heerden in Baal-Chazor (im Thale Rephaim^), unweit der Hauptstadt. Dorthin

p Sam. II, 13, 14 ist deutlich genug angegeben, daß Amnon undThamar gar nicht blutsverwandt waren. Thamar war Maacha's Tochter auseiner früheren Ehe.

2j Das. 13, 21 verglichen mit Könige I, 1, 6.

3) Die Localbestimmnng im Sam. II, 13, 23 L-e-wx vr "iwrr ist

durchaus unverständlich. Eine Stadt Ephraim gab es durchaus nicht, und wennes eine solche auch gegeben hätte, so kann man im Hebräischen nicht die Prä-position Lr gebrauchen, um die Nähe zu bezeichnen. Sehr weit von Jeru-