Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

46

Geschichte der Juden.

und erzogen werden. Da die Völker des Alterthums nur dasOpfer als Gnadenmittel kannten, so sollte auch es diese Form desGottesdienstes beibehalten. Sie wurden aber vereinfacht. Zu einemAltar gehörte ein Heiligthum. Dieses durfte kein Bildniß haben,sondern lediglich einen Leuchter und einen Tisch mit zwölf Broden,symbolisch für die zwölf Stämme, einen Altar, und eine Stätte fürdie Bundeslade idas Allerheiligste).

Zum Altar, Heiligthum und Opferwesen gehörte eine Priester-schaft. Auch dieser überkommene Brauch wurde beibehalten. Dieserwurde selbstverständlich dem Stamme Levi, als dem treuesten undgebildetsten, übertragen, der schon in Aegypten priesterlichen Dienstverrichtete. Nur sollten die Priester nicht wie die ägyptischen durchBesitz zur Selbstsucht und Entartung geführt werden, und die Gottes-verehrung zu ihrem Vortheil ausbeuten. Die israelitischen Priesteroder die Leviten sollten keinerlei Landbesitz haben, sondern lediglichvon den Spenden leben, welche die Laien ihnen nach Vorschriftverabreichen würden. Es war aber althergebrachte Sitte, die sichnoch aus der Patriarchenzcit erhalten hatte, daß die Erstgeborenender Familie Opfer darbrachten. Dieses Familien-Priesterthumkonnte nicht mit einem Male abgeschafft werden; es erhielt sichneben dein levitischen Priesterthum. Solchergestalt kam in die reineLehre der sinaitischen Offenbarung ein Element hinein, welchesnicht damit in Einklang stand, sie vielmehr durchkreuzte. Der aufdas Sinnliche gerichtete Geist des Volkes machte solche Zugeständ-nisse erforderlich, als Uebergangsstufen zu einer besseren Erkenntniß.Diese Erkenntniß blieb dem besseren Theil des Volkes stets in mehroder minder klarem Bewußtsein, daß das Opferwesen nur eineuntergeordnete Bedeutung haben sollte.

Fast ein Jahr brachten die Israeliten am Sinai zu, einefolgenreiche Zeit. Im Frühjahr des zweiten Jahres nach dem Aus-zug aus Aegypten zogen sie dem Lande ihrer Verheißung entgegen.Als Führer in der Wüste, welche von Süd nach Nord bis zurGrenze des Landes Kanaan führt, wo es nur selten Oasen giebt,diente ihnen der Stammhäuptling der Keniten, Hob ab, Mose'sSchwager. Er kannte alle Wege und Stege und konnte ihnenRuheplätze für das Lager angeben>). Nur die in der Wüste

Numeri 10, 31; I. Samuel 15, 6.