Druckschrift 
1 (1873) Geschichte der Israeliten von ihren Uranfängen (um 1500) bis zum Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) : nebst synchronistischen Zeittafeln
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Sehnsucht seines Gönners nach einem größeren WirkungskreisKenntnis hat, an den Posener Vorstand, um die Aufmerksamkeitdesselben auf Hirsch zu lenken, und er jubelt in Heller Freudedarüber auf, daß der Vorstand von Posen bald darauf in einegewisse Beziehung zu Hirsch tritt; ja es hatte sich dort sogareine Partei zugunsten des Oldenburger Landrabbinersgebildet, ohne indes ein greifbares Resultat zu erzielen.Dasselbe Spiel wiederholte sich, als 1840 das WollsteinerRabbinat sich erledigte, nur daß Hirsch die Begeisterung seinesJüngers für Wollstein zu dessen großem Leidwesen nicht teilenmochte.

Man sieht hieraus, daß Graetz sich niemals weltscheu inBücher vergraben hatte; wie überall, so suchte er auch inOldenburg Bekanntschaften anzuknüpfen, freundschaftlichenVerkehr zu pflegen, und sein heiterer Sinn gab sich mit einemgewissen Behagen der harmlosen Fröhlichkeit geselliger Freudenund Anregungen hin. Dabei vernachlässigte er weder seinePflichten, noch seine Studien. Er erlernte daselbst das Englischeund hatte, da er in der Bibliothek des Landrabbiners syrischeBücher vorfand, auch Syrisch zu studieren angefangen; daserstere scheint Hirsch gefördert zu haben, nicht aber das letztere.Hirsch begegnete seinem Jünger jederzeit mit ununterbrochengleichmäßiger Freundlichkeit und erwidert dessen enthu-siastische, teilnehmende Gefühle mit väterlichem Wohlwollen.Wie ein Familienglied wurde Graetz in seinem Hause ge-halten und als solches auch von sämtlichen Angehörigen be-handelt.

In so angeregter Weise flössen Graetz drei Jahre in derUmgebung seines Lehrers hin. Allmählich jedoch, zumal imviertemJahre klingen allerlei kleine Differenzen mit der Fraudes^Hauses durch, wie solche bei so enger und langjährigerHausgenossenschaft nicht auszubleiben pflegen und dazu bei-tragen, die gegenseitige Intimität bald ebben, bald fluten zumachen. Für Graetz reichen sie bei seinem stolzen Unabhängig- .keitsgefühl schließlich hin, um den ruhigen Spiegel seines andie Gegenwartfhingegebenen Gemütes zu trüben. Die Sorgeum die Zukunft steigt beunruhigend vor ihm auf. Der Drangein bestimmtes Lebensziel endlich zu ergreifen, die Sehnsuchtnach seinen Eltern, welche indessen von Zerkow nach einemetwas größeren Städtchen, Kosten, übergesiedelt waren, all