Druckschrift 
12 (1851) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

Fähre genommen, und seine Pfeife angezündct. Er saß so erstwenige Mumie», als Hctty verstohlen aus der Cajüte, oder demHause, wie sie gewöhnlich diesen Theil der Arche nannten, heran-schlich, und sich auf einer kleinen Bank, die sie mitbrachte, zu seinenFüßen setzte. Da dieß Beginnen eben nichts Ungewöhnliches beidem schwachsinnigen Kind war, beachtete es der Alte nicht weiter;er legte nur seine Hand in liebevoller, beifallgebender Weise ansihr Haupt, eine Liebkosung, die das Mädchen in stummer Sanft-innth hinnahm.

Nach einer Pause von einigen Minuten sing Hetty an zusingen. Ihre Stimme war schwach und zitternd, aber ernst undfeierlich. Die Worte und die Weise waren von der einfachstenArt; cs war eine Hymne, die ihre Mutter sie gelehrt hatte, undeine sencr natürlichen Melodien, die bei allen Klassen, zu allenZeiten Beifall und Gnnst finden, weil sic vom Herzen komme» undans Herz sprechen. Hutter horchte nie diesem einfachen Gesang,ohne daß sein Herz und sein Benehme» milder wurde; dieß wußteseine Tochter Wohl, und sie hatte es sich schon oft zu Nutze ge-macht vermöge jenes geheimen, heiligen Jnstikts, der oft die Gei-stesschwachen erleuchtet, zumal bei ihren guten Absichten undBestrebungen.

Hetty's leise, süße Töne drangen nur erst einige Augenblickedurch die Lüfte, als das Klatschen der Ruder aufhölte, und derheilige Gesang allein in der athmenden Stille der Wildniß zumHimmel emporstieg. Wie wenn sie im Verfolg der Hymne Muthgewänne, schien ihre Kraft, wie sie weiter sang, zu wachsen; undobgleich nichts Gemeines oder Schreiendes sich in ihre Melodiemischte, schwoll doch ihre Stärke und schwermüthige Zartheit hör-bar an, bis die Lust erfüllt war von dieser einfachen Huldigungeiner Seele, die beinahe fleckenlos erschien. Daß die Männer vornnicht gleichgültig blieben gegen diese rührende Unterbrechung, gingaus ihrer Nnthätigkeit deutlich hervor; auch klatschten nicht eher