„Ja, ja, sie kam zu spät!" murmelte das innerlich betroffeneWeib: — „Alles kommt zu spät! selbst die Reue, furcht' ich!"
„Sprecht nicht so," bemerkte Lionel: „Ihr versündigt Euchgegen die Verheißungen Dessen, der nie falsch gesprochen hat."
Abigail warf einen furchtsamen verstohlenen Blick auf ihn,der die geheime Angst ihrer Seele ausdrückte, während sie halblaut wisperte:
„Wer war Zeuge von dem Ende der MrS. Lechmere? Schiedihr Geist in Frieden?"
Sir Lionel verharrte abermals in tiefem Stillschweigen.
„Ich dachte es:" fuhr sie fort, — „'s war keine Sünde, die aufdem Todtbette vergessen bleiben konnte! NebleS zu sinnen und Gott lautanzurufen, daß er darauf schaue! Ach! und etn Gehirn zum Wahn-sinn zu treiben und eine Seele, wie seine, bis zur Nacktheit auS-zuzichen! Geht," fuhr sie fort und winkte ihnen mit Ernst hinweg —„Ihr seyd jung und glücklich; warum solltet ihr noch in der Nähedes Grabes verweilen? Verlaßt mich, daß ich unter den Gräbernbeten kann! Wenn noch etwas den bitteru Augenblick zu versüßenvermag, so ist'S das Gebet."
Lionel ließ den Schlüssel, den er in der Hand hielt, zu ihrenFüßen fallen und sagte, ehe er sie verließ:
„Jene Gruft ist geschlossen für immer, wenn sie nicht nocheinmal in künftiger Zeit auf Euer Verlangen geöffnet wird, umEuch an der Seite Eures Sohnes nieder zu legen. Die KinderDerer, welche sie bauten, sind alle hier versammelt, mit Ausnahmevon zweien, welche nach der andern Halbkugel ziehen werden, umihre Gebeine dort beerdigen zu lassen. Nehmt ihn und möge derHimmel Euch vergeben, so wie ich vergebe."
Er ließ eine schwere Börse neben dem Schlüssel nieder-fallen und ohne weiter ein Wort zu reden, nahm er wieder Pol-warths Arm und beide verließen zusammen den Ort.
Als sie durch den Thorweg in die Straße einbogen, warf