199
klaren Connecticutstrome erhob sich wie Ein Mann und als derSchrei nach Blut weit in'S Inland hineintönte, erblickte man baldThäler und Hügel, Straßen und Fußpfade mit Banden bewaffneterLandleute bedeckt, die voll Eifer nach dem Schauplatze des Kriegssich drängten. Acht und vierzig Stunden nach dem verhängniß-vollen Zusammentreffen bei Lerington zählte man schgn mehr alshunderttausend Männer unter den Waffen und beinahe ein Vierteldieser Zahl stand vor den Halbinseln von Boston und Charlestownversammelt. Wer durch Entfernung und Mangel an KriegSvorrathverhindert war, an dem unmittelbaren Kampfe Theil zu nehmen,wartete in Geduld aus den Augenblick, wo auch sein Eifer aufhärtere Proben gestellt werden würde. Kurz die dumpfe Ruhe,in welcher die Kolonien schon ein ganzes Jahr geschlummert, warrauh und plötzlich durch die Ereignisse jenes Tags gebrochen unddie Patrioten unter dem Volk erhoben sich mit einem solchenSchrei des Unwillens auf den Lippen, daß die besonders in densüdlicheren Provinzen nicht unbedeutende Klasse der RuhigergesinnteNgenöthigt war, zu schweigen, bis der erste Ausbruch revolutionärerWnth Gelegenheit gefunden, unter dem nie ausbleibenden Einflußder Zeit und des Leidens sich etwas abzukühlen.
Sicher in seiner Stellung und unterstützt von einer stets nochwachsenden Macht, so wie durch die Gegenwart einer furchtbarenFlotte, blickte Gage mit festem Auge und mit der milden Ruhe,welche seinen wohlwollenden Charakter bezeichnete — ans denheranziehenden Sturm. Trotz dem, daß Stellung und Absicht derAmerikaner nicht länger mißverstanden werden konnten, hörte erdennoch nur mit widerstrebendem Dhr auf die rachsüchtigen Ein-flüsterungen seiner Räthe und suchte eher den Tumult zu besänf-tigen, als ihn mit einer Macht zu unterdrücken, welche er zwareinen Monat früher der gesammien Kraft der friedlichen Kolonistengewachsen geglaubt, jetzt aber klugerweise als kaum hinreichenderachtete, um sich selbst innerhalb der Waffergränzen zu behaupten.