Major Lincoln folgte langsam, über die Scenen nachsinnend,die er so eben mitangesehcn hatte, als er zu seinem Erstaunen aufPolwarth traf, der auf einem Steinblock neben der Landstraße saßund mit trübem, verdrossenem Blick, den zurückziehenden Kolonnennachschaute. Seinen Renner anhaltend, fragte Lionel seinen Freund,ob er verwundet sey.
„Nur erschöpft," antwortete der Kapitän; „ich habe heute allmeine Manneskraft verbraucht, Major Lincoln, und kann nichtweiter. Wenn Du einige meiner Freunde im theuren England siehst,sag' ihnen, daß ich meinem Schicksal, wie es einem Soldaten ge-ziemt, mit Standhaftigkeit begegnete, obgleich ich in der That wieder Aprilschnee, in Strömen dahinschwinde."
„Gütiger Gott! Dn willst doch nicht hier Zurückbleiben, umvon den Provinzialen erschlagen zu werden, von denen wir, wieDu stehst, gänzlich umzingelt sind?"
„Ich bereite mich eben auf eine Rede für den ersten Vankee,der mir nahe kommen wird. Zst er wirklich ein Mensch, so wirder über meine Leiden von heute in Thränen zerfließen — ist er einWilder, so haben meine Erben die Kosten eines Leichenbegäng-nisses erspart."
Lionel würde seine Vorstellungen fortgesetzt haben, wenn nichtein hitziges Gefecht zwischen einem Seltentrupp der Engländer undeiner Schaar der Amerikaner die Krsteren ihm ganz nahe gebrachthätte; er sprengte über die Mauer seinen Kameraden entgegen undwandte das Gefecht zu ihrem Dortheile. Durch die Wechselfälle desKampfes wurde er weit von dem vorigen Platze fortgeführt; einenAugenblick sogar, während er von einer Truppenabtheilung zu derandern hinritt, fand er sich unerwartet allein in der höchst gefähr-lichen Nachbarschaft eines kleine» Gehölzes. Der schnelle Ruf:„schießt den Offizier dort herunter!" machte ihn zuerst auf diegroße Gefahr aufmerksam und er hatte sich mechanisch in Erwartungder tüdtlichen Geschosse auf den Hals seines Pferdes niedergebeugt,Lionel Lincoln. 1l