im Allgemeinen sehr verlockend nnd muß es besonders für einen ameri-kanischen Reisenden sehn, der hent zu Tage i» der Heimath weit mehreiner derartigen Demüthigung ausgesetzt ist, als sogar in Algier.Doch der Animus ist in der Moral als Hauptsache anzuschlagen.
Als wir durch die Barriere einfuhren, waren wir zwei und einhalbes Jahr von Paris abwesend gewesen, ohne im Laufe von acht-zehn Monaten eine Zeitung gesehen oder eine Mittheilung aus Ame-rika erhalten zu haben. Auch früher schon war der Inhalt derBriefe und Zeitschriften mehr von Privatintcrefse gewesen, so daßich über den allgemeinen Charakter unserer Zustände nichts Erheb-liches mitzutheilen wüßte.
Wir wußten, daß die „zwanzig Millionen" — erst kürzlichnoch nannte man sie die „zwölf Millionen" — nach der vorüber-gehenden Geldkrisis, die sie durchzumachen hatten, ganz erstaunlichwieder in Aufnahme gekommen waren, denn die Banquiers hattenwährend der ganzen Zeit unserer Abwesenheit unsre Wechsel ohneErtrabelastüngen honorirt. Freilich muß ich hier sagen, daß OnkelRo als erfahrener Reisender sich gut mit Kreditbriefen vorgesehenhatte — eine Maßregel, die der Amerikaner nach dem in der altenWelt über uns erhobenen Geschrei nicht verabsäumen durste.
Ehe ich übrigens eine Zeile weiter schreibe, muß ich mir hiereine nnverholene Bemerkung erlauben. Der Amerikaner, der sichnie von dem Gängelband seiner Mutter abgelöst hat, verfällt gernein eine engherzige, provinziale Eigenliebe, welche ihn veranlaßt, mitoffenem Munde all den Unsinn zu verschlucken, welcher in den Spaltenseiner Zeitungen vor der Welt ausgekramt, oder von den Jährlings-reisenden zu Markt gebracht wird, die ihre „Ercnrsions" antreten,ehe sie die gesellige» Gebräuche und charakteristischen Züge ihreseigenen Landes nur zur Hälfte kennen gelernt haben. In dem, wasmeine Feder niederschreibt, hoffe ich mich von einer derartigen Schwächeebenso fern zu halten, als von der Sünde einer Verwirrung derPrinzipien und der Ablängnnng solcher Thatsachen, die dem Lande