Aig VI. Nordwestliche Lieder.
Doch bald verlor ihr Auge ScheinUnd Klarheit. Ihre Wangen
Erblaßten. Ihrem AngesichtWar aller Reiz entgangen.
Sie siechte lang und nie vertrautSie Jemand ihren Kummer;
In Thrancn floß ihr Tag dahin,
Die Nacht in kurzem Schlummer.
Einmal im Traume rief sie laut:
„Ach Heinrich, sieh mich leiden!
O hart Geschick! ich armes KindMuß liebcschmachtend scheiden.
Doch ach — ein armes Mädchen mußMuß Wahrheit schon verstecken.
Viel lieber todt zehntaufcndmal,
Als meine Lieb' entdecken!"
Das hört die treue Wachtcrin;
Sie eilt zum jungen Helden,
„Ach, Herr! nun kann ich dir die NochDer kranken Freundin melden.
Ein Traum, ein Traum hat's offenbart,Was sie so tief betrübet.
Ach! Katharine liegt und stirbt,
Stirbt nun — weil sie — dich liebet.
Das traf des edlen Heinrichs Herz;Schnell schlug es auf in Flammen!
„Ach armes unglückseiigs Kind! —
Doch wer kann mich verdammen?
Mußt' ich, zu zu Bescheidene,
Was dir den Tod bereite?