Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
378
Einzelbild herunterladen
 

378

Am nächsten Sonntag schrieb indeß Brost in seinenKalender:Der Herr über Leben und Tod hat michvor einem frühzeitigen Ende bewahrt; ihm sei allzeitPreis und Dank. Ulrich Sebastian genannt Uribasche st."

Des Uribasches Kalter übernahm die Bedienstungseines Vaters als ein Erbamt; man überließ es ihmohne Widerrede so lang das Mitgefühl um den Toddes Vaters noch frisch war; gegen Neujahr abermehrten sich die Klagen, daß man dem halben Simpeldie Bewachung des Dorfes überlasse, zumal in sogefahrvollen Zeiten und der Bewerber fanden sich Viele.

Brost ging seiner Arbeit nach, aber auf Allen, diesie vollzogen, lag eine Bangigkeit, der Tod des Uri-basche machte sie beklommen und vor der Abfahrt wurdejetzt oft still gebetet.

Moni erzählte ihrem Manne, daß der Kalte nichtmehr lange Nachtwächter bleibe und Brost sagte scherzend,das wäre ihm für den Winter ein fröhliches Amt under würde die Holzfuhren dann aufgeben.

Am andern Tage sah man Moni ungewöhnlich vielim Dorfe umherlaufen, sie ging bei den Großbauernumher, die im Auerhahn so freundlich mit ihr gesprochenhatten.

Als es am Neujahrstage zur Wahl kam, erhieltBrost die gewichtigsten Stimmen, er that aber nochein Uebriges, theilte das Amt mit dem Kalten, der auchin den kurzen Sommernächten den Dienst allein versehenkonnte und im Winter nur die Stunden vor Mitternachtanzurufen hatte, die nach Mitternacht behielt sich Brost.