Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
321
Einzelbild herunterladen
 

321

daß er ein paar Tage auf dem Heu schlafe und so-bald man mit einem Karren von Endringcn herüberkönne, hole er sein eigen Bett, es sei ihm ohnedieslieb, dies einzige Erbstück von seiner Mutter in guterHand zu wissen, da er nicht sicher sei, daß ihm seineHausleute die Federn stehlen, während er auf Arbeit sei.

ES war während dieser Verhandlung Nacht ge-worden, und der Regen strömte wieder mächtig herab.Ohne weitere Erörterung klopfte das Apothekerröslewieder mit der Faust dreimal an die Wand und riefder Monika, sie solle gleich Wasser an'ö Feuer stellenund dem Brost seinen Thee bereiten.

Und ich will nicht," schrie Monika, daß es imganzen Hause gellte.

Geh 'naus, sie ist noch bös," winkte die Mutterdem Bros! und zwinckcrte dabei mit den Augen so ein-verständlich, daß es Brosi graute vor dem was erbegonnen. Er gehorchte zögernd, aber kaum war erin der Küche als Monika sie verließ, in die Stubeeilte und lauten Zank erhob, daß die Mutter den Brosiin's Haus nahm und bethcuerte, daß sie in finstererNacht davon gehe, wenn cs dabei bleibe. Eine Weileüberschrieen sich beide Frauen so sehr, daß man kaumdie Stimme der einen von der der anderen abscheidenkonnte, dann trat eine Pause ein, in der man nurnoch ein Weinen vernahm und jetzt sagte die Mutter:

Ich Hab' den Brosi so fest wie einen Finger ander Hand, der geht nicht mehr aus dem Haus, undNiemand anders als du kriegt ihn, und du wirft mir'snoch danken, wenn ich schon lang verfault bin."

Auerbach, Dorfgeschichten, S. Band. 21