Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
386
Einzelbild herunterladen
 

386

11. Antiquarische Aufsätze.

Bild der Ate, der Schadengöttin, ist aus Homerbekannt*). Sie ist eine Tochter Jupiters, die al-len, auch den Unsterblichen gerne schaden dem Ju-piter selbst brachte sie Unglück, daher er sie bei ihrenschönen Haaren ergriff und vom Himmel auf die Er-de warf, wo sic jetzt, über dein Scheitel der Men-schen wandelnd, ihnen gerne Böses rath, damit siesie in Verdruß uiH Nachthcil verwickle. Eine solcheSchadenfreundin ist Nemesis nicht; vielmehr ist siedas Gegenthcil derselben, da sic Unrecht verhü-tetem!) den Neid zu entfernen trachtet**)

') lAt«v. v. gi. izo. e. 5oi.

**) Ob ich gleich nicht behaupten will, daß kein grie-chischer Dichter oder Schriftsteller diese beidenGöttinnen, die Nemesis und 'Ate je verwech-selt habe: so ists wenigstens von Lheognis

(v. 207.) und Aeschylus (kers. 818.) nichtgeschehen. Die besten Eltern hinterlassen.ihrenKindern gern eine warnende Nemesis, undlehren sie solche zu scheuen; eine Are aber zurStrafe für Sünden, die sie selbst nicht gebüßthaben, hinterlassen nur schuldige Eltern ihremGeschlecht. Dies sagt Lheognis. Wenn Da-rias Schatte bei Aeschylus den furchtbareSpruch rhur:

Uebermuth, der emporblüht, reist

Zur Aehre der Ate, die

Eine thranenreiche Ernte gewahrt;

so ist diese Ate keine Nemesis, sondern wieSchütz wohl bemerkt hat, ein Zustand höhererund