594
Winchester erröthete und biß sich i» die Lippen. Ein Mann vonseiner nienschenfrcnndlichen Gesinnung war doch gewiß weit entferntvon dem Gedanke», Raonl jetzt noch körperlich oder geistig quälenzu wollen, und er fühlte sich deßhalb über den geäußerten Verdachthöchlich empört. Gleichwohl bezwang er sich, und gab mit höflicherVerbeugung zu verstehen, daß er so lange bei dem Gefangene»bleiben wolle, bis Alles vorüber sein würde.
Der Franzose war überrascht, und als er in der Miene desAndern so viel Mitleid und Theilnahmc gewahrte, fühlte er wirk-lich Reue über sein Mißtrauen, und noch mehr darüber, daß er-es geäußert hatte.
„Mis, Umwieur," antwortete er, „die Nacht wird bald hcrcin-brechen; es könnte sich leicht fügen, daß Ihr sie hier auf demFelsen znbringen müßtet."
„Und wenn auch, Doktor, so ist dieß jedenfalls nicht mehr, alswir Seeleute schon gewöhnt sind. Ein solcher Bootsdienst kommt beiuns gar häufig vor. Ich darf mich nur in meinen Mantel hüllen,um alle Behaglichkeit, die ein Seemann braucht, zu genießen."
Damit war die Sache abgemacht, und es wurde nichts weitcrdarüber gesprochen. Der Arzt, der an solche Auftritte gewöhntwar, hatte bald alle für Raonls Ende nöthige» Anstalten getroffen.Als man den Lugger von seinem Ballaste erleichtert hatte, warenhunderterlei kleine Artikel, unter anderen auch einige rohcSccmanns-matratzen — auf die Insel ausgeladcn worden. Zwei oder drei der-selben wurden gesammelt, ans dem weichsten Thcilc der Felsoberflächeausgebreitct und znm Bett für Navul hergerichtet. Der Doktorwollte mit Hilfe der Seeleute ein Segel als Zelt darüber anf-stellen, doch der Verwundete hatte sich dieß verbeten.
„Laßtmich die freie Lnfteinathmen," sagte er; „ich werde nurnochwenig bedürfen; dieses Wenige mindestens laßt mich frei genießen."
Es wäre umsonst gewesen, sich einem solchen Wunsche zuwidersehen, da überdies; gar kein Grund dazu vorhanden war.