Vierundzwanzigstes Kapitel.
Gelahr und Freude sind sich eng »eischwistert:
Und Dorn und Rose kommt vom gleichen Stamme.
Alleyn.
Alle wir gesehen haben, war am Bord der Proserpina in denHerzen der Meisten an die Stelle des feindlichen Grolles eine edel-müthige Theilnahme für Raoul getreten. In Folge dieses Gefühlshatten die Schildwachen Befehl erhalten, den Gefangenen nichtdurch zu häufiges oder »nnvthigcs Visitiren seines Zimmers zubelästige». Um aber Zartsinn und Wachsamkeit gleichermaßen zuberücksichtigen, hatte Winchester die Ecke in der Leinwandverklei-dnng, welche der Laterne an der Kajütenthüre zunächst war, aufwenige Zolle öffnen lassen, und der Schildwache den Befehl ge-geben, jede halbe Stunde, oder so oft die Schiffsglocke das Vor-rücken der Zeit verkündete, durch diese Spalte zu schauen. DerZweck dabei war einfach der, sich zu überzeugen, ob sich der Ge-fangene in seinem Zimmer befand und ob er nicht einen Versuchznm Selbstmorde machte — ein Schritt, den man unmittelbarvor dem Aufschübe sehr bei ihm befürchtet hatte.
Der ganze Streit zwischen den beide» Italienern und was in-zwischen unterhalb des Schiffkanales vorgegangen war, hatte abernickst mehr als sechs bis sieben Minuten Zeit weggenommen und derkleine Hansen von Offizieren bekam immer neuen Zuwachs, währendsich Raoul bereits ans der Jolle seines eigenen Luggers befand. Indiesem Augenblicke schlug die Schiffsglockc acht Uhr: der Marine-soldah näherte sich mit dem Respekte eines Untergebenen, abermit der festen Haltung eines Mannes ans dem Posten, seinemGucklochs, um das Gemach des Gefangenen zu untersuchen.
Die Offiziere hielten zwar diese Vorsicht für »nnvthig, daAndrea's und Vito Viti's lautes Gespräch schon an sich eine ArtGarantie dafür boten, daß der Gefangene in seinem Käfig war:gleichwohl machten sie dem Manne Platz, da sie recht wohl wußten,