145
und von diesem Augenblicke herrschte das beste Einverständnis; zwischenden beiden Partien. Der Kapersmann, der eine weit bessere Er-ziehung genossen hatte, als er zngeben wollte, dabei aber jede Rolletrefflich zu spielen und bei Gelegenheit sehr geschickt zu schmeichelnverstand, beschloß in Zukunft vorsichtiger zu sein und, welche Frei-heiten er sich sonst auch mit andern Gegenständen nehmen mochte,mit literarischen Vermnthnngen jedenfalls sparsamer nmzugehen.
Und doch hatte dieser kecke, furchtlose Seemann seiner Ghitanoch niemals geschmeichelt, sic in Nichts zu täuschen versucht. Beiihr war er die lauterste Aufrichtigkeit, und der Einfluß, den er überdie Gefühle dieses reinen Wesens errungen hatte, verdankte seineEntstehung nicht nur Raonls männlicher Erscheinung und seiner Kunstzu gefallen, sondern und hauptsächlich der offenen Natürlichkeit undder wahren Empfindung, die er ihr von jeher bewiesen hatte. Eswäre in der That für einen Mann, der sich mit dem Studium dermenschlichen Natur abgegeben hätte — ein interessanter Gegenstandder Beobachtung gewesen, zu bemerken, wie vollständig sich dieUnschuld und Sitteneinfalt des Mädchens jeder Handlung des jungenMannes, die nur einigermaßen mit ihr in Verbindung stand, mit-gctheilt hatte, so daß er sogar verschmähte, eine Religiosität znheucheln, die er nicht wirklich fühlte, und deren Mangel das einzigeHindernis; einer Verbindung war, nach welcher er jetzt beinahe schonein volles Jahr gestrebt hatte, und die ihm unter allen anderenWünschen am meisten an; Herzen lag. Mit Andrea Barrvfaldi undVito Viti, besonders aber mit dem verhaßten Engländer war esfreilich ganz anders, und Raonl fühlte sich selten glücklicher, alseben bei solchen Seenen listigen Betrugs, worin wir ihn geradein diesem Augenblicke verflochten sehen.
Der Vicestatthalter, der nunmehr sein Verhältnis' zn „SignorSmees" auf so durchaus freundlichen Fuß gestellt hatte, konntenicht wohl weniger thnn, als seinen Gast zugleich mit dem Po-dcsta zum Eintritte in den Palast einznladen.
Der Irrwisch.
10