Fünftes Kapitel.
Cossio: Der große Zwiespalt zwischen Sturm und WogenTrennt' unser Nebenschiff — doch schau, ein Segel!
Othello.
Alas euch der Erfolg der ferneren Nachfragen und Beobach-tungen des Vicestatthaltcrs in dieser Nacht gewesen sei» mochte —so viel ist gewiß, daß derselbe vorderhand ein Geheimnis; blieb.Beide, er und der Podcsta, verweilten noch eine Stunde in demunteren Theilc der Stadt, beim Hafen und in dessen Nähe, undverfugten sich sodann Jeder in seine Wohnung zur Ruhe, währendder Lugger ans dem nämlichen Flecke vor Anker blieb, wo er zu-letzt dem Auge der Zuschauer erschienen war.
Auch eine zweite Zusammenkunft zwischen Ravnl Avard undGhita — wenn nämlich überhaupt eine solche stattfand — mußtejedenfalls sehr geheim veranstaltet worden sei», denn kein mensch-liches Auge hatte etwas der Art wahrgenommen, weßhalb dieSache auch keinen Theil unserer Erzählung bilden kann.
Ein Sommermorgen am mittelländischen Meere ist eine jenerbalsamischen, besänftigenden Perioden des Tages, welche ans denKörper wie ans den Geist gleichermaßen ihren Einfluß ansüben.Die sanfte Beleuchtung, welche vor dem Erscheinen der Sonneam Firmamente emporzieht — die wechselnden Farben am Himmelselbst — die warme Glut der leuchtenden Sonne und die perlen-klare, durchsichtige Luft, welche nur darum vorhanden zu seinscheint, um Liebe zu Gottes Schöpfungen in unserer Brust zuerwecken — dieß Alles ist auch an andern Orten zu finden, nichtaber jener bezaubernde Wechsel in dem Kolorit des Meeres, dessenklares Blau mit den tiefsten Tinten des Firmaments wetteifert,nicht das Klima, das den Beschauer ebensosehr entzückt als dieScene», welche es verschönert, und nicht die Berge, deren Abhängeauch den leisesten Wechsel der Beleuchtung mit der ganzen Treueund Poesie der Natur reflektiren.