17
einer Statue der Erwartung ähnlich, während die Mannschaft inder Batterie ihr Geschäft verrichtete. In der nächsten Minutewurde die Lunte angelegt und die Kanone losgefenert.
Während ihre Gefährtinnen alle Heiligen »in Hilfe anriefen,und ihrem Schrecken durch Geschrei Luft machten, einige sogar imEntsetzen sich zur Erde niederdnckten, stand Ghita, offenbar diezarteste von Allen, fest und aufrecht — und doch sprach sich inihren Zügen mehr Theilnahmc aiz dem Vorangegangenen aus, alsin den Mienen aller Uebrigen znsammengenommen. Das Blitzenund der Donner des Geschützes äußerten offenbar keine Wirkungauf sie, und von den Artilleristen hatte Keiner den Knall der Ka-none mit mehr Regungslosigkeit angebört als dieses schwacheMädchen. Sie ahmte sogar die Weise der Soldaten nach undbückte sich, um den Flug der Kugel zu beobachten, obgleich siedie Hände voll Herzensangst znsammenpreßte und zitternd de»Ansgang zu erwarten schien.
Bald waren die wenigen Sekunden der Ungewißheit vorüber,und man sah, wie die Kugel eine volle Viertelmeile über demLugger hinaus das Wasser berührte, und noch zweimal so weit aufdem glatte» Spiegel hintanzte, bis sie endlich durch ihre eigeneSchwere in die Tiefe gezogen wurde.
„Die heilige Maria sei gepriesen!" murmelte das Mädchen,ohne es selbst zu wissen, leise vor sich hin, während ein halbfreudiges, halb spöttisches Lächeln ihre Mienen erhellte. „Diesetoskanischen Artilleristen sind keine gefährlichen Schützen!"
„Das nenne ich einmal mit Geschicklichkeit gefeuert, schöneGhita!" rief der Bürgermeister und ließ beide Hände sinken, mitdenen er sich die Ohren zngehalten hatte; „das war zum Erstaunengut gezielt! Jetzt nur noch einen zweiten Schuß, wie diesen, abergerade soweit vorwärts, und einen dritten, genau zwischen diebeiden ersten — dann soll der Fremde die Rechte von Toskanarespektircn lernen. — Was meinst du nun, ehrlicher 'Maso — wird
Der Irrwisch. 2