70 Kritische Wälder.
muß überall die Mythologie hier nicht mehr My-thologie; eine liebe Wörterblume seyn, oder wegdamit!
Indessen will Klotz uns auch in geistlichen Ge-dichten nicht ganz leer vom Nutzen der Mythologieausgehen lassen, und schlagt vor *): „Beschreibun-gen der göttlichen Weisheit und Macht, hohe„Bilder der göttlichen Majestät, oft so vortrefflich,„so erhaben, daß man sich kaum vorstellen kann,„wie sie in den Geist ungläubiger Sterbliches ha-„ben kommen können, und durch deren geschickte„Nachahmung der Poet seinem Gedichte die größeste„Würde geben könnte." Der Vorschlag ist fromm,aber auch wenig mehr. Wenn Klotz nicht glaubt,daß Gott selbst in die Seele des christlichen PoetenBilder einschiebe, so kann crs nicht fremd finden,daß große Geister unter ,den Heiden auch großeDinge haben denken können, sie auch von ihren Göt-tern denken müssen. Ich mag keine Vergleichungen,insonderbeit in Sachen, die gewisse Leser so gernumzukehren pflegen; allein wer wandelte unter edlcrnBildern: der alte, oder der heutige Grieche? Jenerzwischen seinen Göttern; dieser Zwischen seinen ge-wählten Heiligen, der Papist zwischen seinen ge-hauenen Märtyrern. Und bei wem war (ich redeblos von poetischen Bildern) ein solcher Anblick ge-legener, um große Gedanken zu wecken?
Au dem: Beschreibungen der Weisbeit, Macht,Majestät, find eigentlich keine Mythologie mehr;
*) Ichikt, Komer. x. 86.