Erstes Wäldchen. 201
Gegenstände der Poesie sind die Objektebeider vorigen Künste. Zuerst, so fern sic durchn 0 rürlic he Mittel nachqeabmct werden. Hierwar leicht zu erachten, daß die Poesie der Wüh-lerei nachbleiben müsse: denn alles lief da hinaus,
daß Worte keine Farben, und der Mund kein Pin-sel sey. Auch das ist mir befremdend, wie hier diePoesie der Tonkunst an natürlichen Tönen gleich-kommen könne. Kurz! die Vergleichung ist übelgereichen. Durch bedeutende Worte, als durchwillkührlichc verabredete Zeichen, unddies sollce eigentlich der Punkt der Lessing'schen Ver-gleichung scyn.
In den eigentlichen Gegenständen der Mahlerei(d. i. die durch Farben, Figuren und Stellungencharakterisier sind — deren vollständige Einsicht nichtvon einer Folge der Begebenheiten abhängt— we-nigstens von einer kurzen und in die Augen fallen-den Folge — wo alle mannigfaltigen Nebenumständein einen untheilbaren Zeitpunkt zusammenlaufen)in allen diesen Gegenständen bleibt der Dichter demMahler nach: denn erstlich, jener ahmt durch
willrührliche Zeichen, dieser durch die Natur nach:dieser zeigt alles in dem nämlichen Augenblicke, wiein der Natur; jener nur theilwcise, zergliedernd;und also langweilig oder dunkel.
Es giebt auch Gegenstände, die der Dichtkunsteigen sind: Handlungen, die in die Länge dauern,
und die ein für die Mahlerei prägnanter Augenblickin Eins bringt: Sitten, Leidenschaften, Empfin-
dungen , und Charakter an sich, die sich am meisten