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„Soll ich Euch dorthin rudern, Signora?"
„Wenn du gewiß bist, den Palast zu kennen."
Rasch drehte er die Gondel und schnell glitt sie zwischen hohenMauern hin. Gelsomina merkte an dem Schall, daß sie sich ineinem der cngcrn Kanäle befand, und schloß daraus, daß der Gon-dclicr wohl bewandert in der Stadt sein müsse. Bald hielten siedicht vor einem Wasscrthore an, und der Mann erschien auf derTreppe, seinen Arm darrcichcnd, um ihr beim Anssteigen zu helfen,wie Leute seines Gewerbes pflegen. Gelsomina hieß ihn ihreRückkehr erwarten und ging hinein.
Es war eine merkliche Verwirrung in Don Camillo's Haus-halt, die einer erfahreneren Beobachterin gewiß ausgefallen wäre.Die Diener vcrriethen selbst bei Verrichtung der allcrgcwöhnlichstenGeschäfte Ungewißheit, ihre Blicke wandcrten mißtrauisch von einemzum andern, und als die schüchterne Fremde in den Hausflur trat,sprangen Alle auf, keiner aber kam ihr entgegen. Ein maskirtesFrauenzimmer war kein ungewöhnlicher Anblick in Venedig, dawenige dieses Geschlechts die Kanäle besuchten, ohne ihre Züge zuverhüllen. Ans dem unentschlossenen Benehmen der Diener DonCamillo's ging jedoch hervor, daß der Eintritt eines Frauenzim-mers dießmal aufficl.
„Bin ich in der Wohnung des Herzogs von St. Agata ausCalabrien?" fragte Gelsomina, welche einsah, wie nöthig es sei,Festigkeit zu zeigen.
„Signora, ja!"
„Ist Euer Herr im Palaste?"
„ Signora, ja — und auch nein! Welch' schöne Dame soll ichihm melden, die ihm die Ehre erweist?"
„Wenn er nicht zu Hause ist, so ist es unnöthig, ihm irgendEtwas zu melden. Ist er aber da, so wünschte ich ihn zu sprechen."
Die Diener, deren mehrere zugegen waren, steckten die Köpfezusammen, und schienen sich zu streiten, ob es rathsam sei, den