308
„Da hat man mich hieher in die Piazza geschickt nnter dieGauner, Kammerdiener, Gondcliers und alle Arten von Zechernund Schmansern, welche dieses christliche Land zieren, und da sollich den Erben von einem der ältesten und geehrtesten Häuser Ve-nedigs suchen."
„Wie, so weißt du denn, daß ich Der bin, den du suchst?"
„Signor, ein weiser Mann steht Manches, was dem Unacht-samen entwischt. Wenn junge Cavaliere Geschmack daran finden,sich vornehm maskirt unteres Volk zu begeben, wie bei einem gewissenjungen Patricier dieser Republik der Fall ist, so brauchen sie ebennicht den Mund aufzuthun, man kennt sie schon an ihrer Haltung."
„Du bist ein schlauer Bote, Hosea; doch dein Stamm lebtja von seiner Schlauheit."
„Sie ist das Einzige, was wir dem Unrecht des Drängersentgegensetzen können. Gehetzt sind wir wie Wölfe, warum solltenwir also nicht bisweilen zeigen die wilde Natur der Bestien, fürdie Ihr uns haltet. Doch was erzähle ich die Trübsale unsererLeute Einem, welcher glaubt, daß das Leben eine Maskerade ist?"
„Und den es eben nicht verdrießen würde, mein geistreicherHosca, wenn die Maskerade aus lauter Juden bestände. Aber zudeinem Auftrag! ich wüßte nicht, daß ich ein Pfand auszulösenhätte, auch bin ich dir kein Gold schuldig."
„Gerechter Samuel! Ihr Cavaliere vom Senat gedenkt nichtimmer an das, was vergangen ist, Signor, oder ihr hättet euchdiese Worte sparen können. Wenn Ew. Excellenz sind geneigt,Pfänder zu vergessen, kann ich was dafür? sicherlich, was anbelangtdie Rechnung, welche nun schon so lange unter uns ist angewachsen,da ist auf dem ganzen Rialto kein Handelsmann, welcher die Be-weise wird ziehen in Zweifel."
„Und wär's auch so, kommst du hierher auf den vollen St.Marcus-Platz als Gläubiger, meines Vaters Sohn zu mahnen?"
„Wo werd' ich Schande anthun, Signor, irgend Einem, der