406 VI. Wissenschaftliche Ereignisse u. Charaktere
H. Damit es verjüngt ein p o r steig e;ich verstehe dich, Geist der Schöpfung. Die Kettedes Lebens schwingt sich nieder- und aufwärts; sieunduliret. Ich begreife, daß zu einer immer jun-gen , frischen und neuen Schöpfung eS nicht andersals also seyn konnte.
P. Nicht Höheres und Heiligeres kannstdu also sehen, als deine Schöpfung; göttlichereserkennen kannst du nichts, als die Gesetze ihrerBildung und Erhaltung voll scheinbaren Un-tergangs und voll Erneuung. Unverändert blei-ben konnte im Strom der Veränderung nichts; einstarres Daseyn wäre nicht nur des Einzelnen ewi-ger Tod, sondern Tod der Schöpfung. Alle ihreNäder hemmte ein einziger unwandelbarer Atom. —Blick her! Auch diese Sterne altern; jener himm-lische Kranz verbleicht; jenes Rosenlicht salbet undwird verdämmern. Dagegen siche jenen hcllaufglän-zenden Brand, die Morgenröthe einer neuen Schö-pfung, Orion.
H. Schönes Licht! O wie entzückt ist meineSeele!
P. Und doch lernst du mit dieser Entzückungnichts. In Deinem Weltall schau umher und be-trachte dort allenthalben Bildung. Vom kleinstenKrystall hinauf zur Pflanze, zum Thier, zum Men-schen; allenthalben organisch bildende Kräfte.
H. Dürfte ich die auch droben anwenden, beyjenen Kugeln, bey jenen Flammen und Sternen?
P. Warum nicht? Bildungslos ist nichts inder Schöpfung; was aber Bildung hat, ward ge-bildet.