220
Ideen zur Philosophie
solcher in unsre Seele. Kein Nerve liegt ausgespanntda, daß er bis zu einem Punkte der Vereinigungvibrire: bey einigen Zchiercn kommen nicht einmaldie Nerven beydcr Augen und bey keinem Geschöpfedie Nerven aller Sinne so zusammen, daß Einsichtbarer Punkt sic vereine. Noch weniger gilt die-ses von den Nerven des gesummten Körpers, in des-sen kleinstem Glieds sich doch die Seele gegenwärtigfühlt und in ihm wirket. Also ists eine schwacheunphysiologische Vorstellung, sich das Gehirn als ei-nen Selbstdcnkcr, den Nervensaft als einen Selbstem-psinder zu denken; vielmehr sind cs, allen Erfahrun-gen zufolge, eigne psychologische Gcsez-z e, nach denen die Seele ihre Verrichtungen vor-nimmt und ihre Begriffe verbindet. Daß cs jedesmalihrem Organe gemäß und demselben harmonisch gesche-he, daß, wenn das Werkzeug nichts taugt, auch dieKünstlerin nichts thun könne u. f.; das alles lei-det keinen Zweifel, ändert aber auch nichts im Be-griffe der Sache. Die Art, mit der die Seele wirkt,das Wesen ihrer Begriffe kommt hier in Be-trachtung. Und da ists
i. unläugbar, daß der Gedanke, ja di«erste Wahrnehmung, damit sich die Seele einenäußern Gegenstand verstellt, ganz ein andresDingsey, als was ihr der Sinn zuführet.Wir nennen cs ein Bild; cs ist aber nicht das Bild,d. i. der lichte Punkt, der aufs Auge gemahlt wird,und der das Gehirn gar nicht erreichet; das Bild derSeele ist ein geistiges, von ihr selbst bey Veranlassungder Sinne geschaffenes Wesen. Sic ruft aus demEhaos der Dinge, die sie umgeben, eine Gestalt her-vor , an die sie sich mit Aufmerksamkeit heftet, und so