Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 3 (1820) Ideen ; 1
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110 Ideen zur Philosophie

ihm noch gar zu fehlen. Sein Blut ist so kalt,daß es an die Amphibien gränzet; daher sein aus-gerissenes Herz und sein Eingeweide noch langeschlagt, und das Thier, auch ohne Herz, die Beinezuckt, als ob es in einem Schlummer läge. Auchhier bemerken wir also die Kompensation der Natur,daß, wo sie cMpfiNdsatne Nerven, selbst rege Mus-kelkräfte versagen mußte, sie desto inniger den zähenRcitz ausbreitete und mittheilke, Dies 'vornehmeThier also mag unglücklicher scheinen, als es ist.Es liebt die Warme, es liebt die schlaffe Ruhe,und befindet sich in bcydeN schlammartig wohl,Wenn es nicht Warme hat, schläft es; ja als obibm auch daS Liegen schmerzte, hangt es sich mit derKralle an den BamN, frißt mit der andern Kralle,und genießt wie ein Hangender Sack im warmenSonnenschein sein raupcnartigcs Leben. Die Un-formlichkeit seiner Füße ist auch Wohlthät. Dasweiche Thier darf sich vermittelst ihres sonderbarenBaues nicht einNial auf die Ballen, sondern nuraus die Eonvericät der Klaue, wie auf Räder desWagens, stützen, und schiebet sich also langsam undgemächlich weiter. Seine 46 Rippcn, dergleichenkein andres vierfüfiigcs Thier hat, sind ein langesGewölbe seines Speise-Magazins, und, wenn ich josagen darf, die zu Wirbeln verhärteten Ringe einesfressenden Blattersacks, einer Raupe.

Genug der Beyspiele. Es erhellet, wohin derBegriff einer Thicrseele und eines Thierinstinkts zusetzen sey, wenn wir der Physiologie und Erfahrungfolgen. Jene nämlich ist die Summe und dasResultat aller in eincr Organisati 0 riwirkenden lebendigen Kräfte, Dieser ist