Druckschrift 
8 (1853) Der rothe Freibeuter : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
581
Einzelbild herunterladen
 

581

habt hatte, um einen Vorwand dafür zn haben, daß er im Zim-mer blieb.

Als die angenblickliehe Ueberraschnng sich einigermaßen gelegthatte, fnhr der Sterbende fort:Lange hatte ich meine Rene,wie meine Schande, dem Blicke der Welt entzogen; aber dieserKrieg rief mich ans meiner Verborgenheit hervor. Unser Vater-land brauchte nns Beide, und Beide hat es gehabt! Sie habengedient, wie Einer dienen durfte, der sich nie ein Vergehen zuSchulden kommen ließ: allein eine so heilige Sache mußte einName wie meiner, nicht beflecken. Wenn die Welt einst vonmeinen schlechten Thaten spricht, möge auch des wenigen Guten,so ich gcthan, gedacht werden! Meine Schwester, meine . . . .Mutter verzeih' mir!"

Der da seine Geschöpfe mit einer so furchtbaren Verschie-denheit der Gemüther bildet, Gott, blicke gnädig ans unsereSchwachheit hernieder!" betete Madame de Laccy knieend, mithimmelwärts gehobenen Angen und Händen.O, Bruder, Bru-der! Dir ward in deiner Kindheit von dem heiligen Geheimnißunserer Erlösung viel gesagt, du darfst nicht erst unterrichtetwerden, auf welchen Fels sich deine Hoffnung auf Vergebunggründen muß!"

Hätte ich nie jene Vorschrift vergessen, mein Name durfteauch fortan mit Ehren erwähnt werden. Doch, Wilder!" fugteer abspringend und kräftig hinzu,Wilder! . . . ."

Aller Angen waren ans den Sprechenden geheftet. Er hielteine Rolle, ans der er bis jetzt wie auf einem Kissen gernht hatte,in der Hand. Uebernatnrliche Kraft schien ihn zu durchströmen,als er sich mit halbem Körper in der Bahre erhob; und beideHände hoch über sein Haupt emporhebend, ließ er jene glanzreiche,buntgestreifte Flagge mit ihrem blauen Feld ausgehender Sterne*)

'1 Die Flagge der Vereinigte» Staaten von Nordamerika.