574
ein Enkelchen oder irgend Jemand, der nichts zn thnn hat, inder Nähe ist, hier ist Silber, ihn zn belohnen."
„Ei du guter Gott, gnädige Frau!" erwiederte der Andere,sie wegen ihrer demüthigen Erscheinung mit einem Seitenblick be-trachtend, der gleichsam den gegebenen Titel wieder zurücknehmensollte, und dabei mit ganz besonderer Sorgsalt die angebotenekleine Münze in die Tasche steckend. „Ei du guter Gott, Ma-dame! bin ich auch alt und einigermaßen geschwächt durch Stra-pazen und wunderbare Abenteuer zu See und zn Land, so willich doch gern für Jemand in Ihrer Lage einen so kleinen Dienstthnn. Folgen Sie mir, und Sie werden sehen, daß Ihr Lootsenicht ganz unbekannt mit dem Pfade ist."
Noch ehe der Alte mit dieser selbstgefälligen Anpreisung seinerTüchtigkeit fertig war, hatte er rechtsum geschwenkt, und denWeg, der von der Kaje abführte, eingeschlagcn. Die Seeleute unddas Frauenzimmer folgten, letztere an der Seite der Tragbahre,in stille Schwermuth versunken.
„Solltet Ihr etwa Erfrischungen nvthig haben," sagte ihrWegführer, und zeigte dabei über die Schulter weg, „dort ist einwohlbekanntes Wirthshans, das seiner Zeit von Matrosen starkbesucht wurde. Nachbar Joram und der ,Unklare Anker" sind inihren Tagen berühmt gewesen, so gut wie der größte Krieger imLande; der ehrliche Joram ist freilich eingetha» zu seinen Vätern,aber das Haus steht noch so fest, wie an dem Tage, da er eszuerst betrat. Er ist als ein gottseliger Christ gestorben, undjeder bange Sünder sollte zum Heil seiner Seele dessen frommesBeispiel vor Angen haben."
Hier vernahm man aus dem Innern der Tragbahre einentiefen, dumpfen Seufzer; der Wegweiser stand stille und lauschte,allein kein ferneres Zeichen bot sich dar, wodurch er hätte aufdie Spur kommen können, wer sich wohl drinnen befinden möchte.
„Der kranke Mann leidet," nahm er wieder auf; „aber kör-