Druckschrift 
5 (1853) Der Lootse : ein Seegemälde
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

1L9

Katharinens kleines Füßchen spielte in rascher Bewegnng aufdem glänzenden Teppich; doch begnügte sie sich mit einem Blickeder höchsten Verachtung, de» sie dem Sprechenden znwarf, gleich-sam nm anzndeuten, daß sie ihn jeder weiteren Antwort für un-werth halte. Anders dagegen stand's bei dem Obristen; bei ihmwurde hier ein Thema berührt, das ihm zunächst am Herzen lag,und er antwortete dcßhalb mit einem dem Gegenstand angemesse-nen Ernste:

Ihr sprecht, wie einem verständigen Manne und getreuenUnterthanen gebührt, Mr. Dillon. Die Habeascorpnsakte, MißAlice, wurde unter König Johanns Regierung zugleich mit derMagnacharta von des Königs Baronen zur Sicherheit des Throneserkämpft; auch einige von meinem eigenen Blute waren darunter,und schon dies; mag dafür bürgen, daß die Würde der Krone ge-hörig gewahrt wurde. Was unsere seeräubcrischen Landsleutebetrifft, Christoph, so ist aller Grund zu dem Glauben vorhanden,daß der Zorn der beleidigten Vorsehung sie allbereits getroffenhaben wird. Von Leuten, welche die Küste genau kennen, habe ichvernommen, daß cs ohne einen besseren Lootsen, als ein Feind sichwahrscheinlich wird verschaffen können, jedem andern Schiffe un-möglich sein würde, die Untiefen, in die sie sich gewagt haben, beistockfinsterer Nacht und unter widrigen Stürmen zu entrinnen. DerMorgen kam, und nirgends sind sie mehr zu sehen!"

Mögen es nun Freunde oder Feinde sein, Sir," fuhr Dil-lon ehrerbietig fort,so dürfen wir jedenfalls mit vieler Wahr-scheinlichkeit vermnthen, daß wir jetzt Leute in der Abtei haben,die uns über ihren wahren Charakter Auskunft geben können,denn unsere Gefangenen sehen gerade so ans, als ob sie eben erstgelandet hätten, und haben nicht nur die Kleidung, sondern auchganz die Miene von Seemännern."

Von Seemännern!" rief Katharina, und Todtenblässe ver-jagte die Röthe des Unwillens auf ihren Wangen.