Druckschrift 
6 (1880) 1. Lykurg, 2. Solon
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

Siebennndzwanzigsteö und achtnndzwanzigsteS Kapitel. 99

gepriesen wurde und voll Freude war, in den Tempel der Zuno^zogen. Sodann opferten und tranken sie, aber am anderen Tage —standen sie nicht mehr auf, sondern waren gestorben. Man sahihnen an: sie hatten, neben ihrem hohen Ruhm, jetzt auch eineuTod gefunden ohne Schmerz und ohne Leiden."

„Und mich", rief jetzt Krösus, bereits in vollem Zorne, „michwillst du gar nicht unter die glücklichen Menschen rechnen?" Solonhatte ebensowenig Lust, ihm zu schmeicheln, als seinen Unwillennoch weiter zu reizen. Er sagte also: „Erhabener König von Lydien,uns Griechen hat der Himmel in allen Stücken nur ein bescheidenesMas; gegeben. Und bei diesem bescheidenen Maße ist auch derVerstand, den wir besitzen, nicht ein königlicher und glänzender,sondern nur (wie es scheint) ein zufriedener und völlig bürgerlicherVerstand. Dieser sieht auch die mancherlei Wechselfälle, die sichstets im Leben ereignen. Er läßt uns daher niemals auf die Güterder Gegenwart stolz sein und auch niemals das Glück eines Men-schen bewundern, solange es noch in der Zeit steht und sich ver-ändern kann. Die Zukunft, die für jeden herannaht, ist dunkel undkann mancherlei Farben haben. Wem Gott sein Wohlergehen bisan das Ende fortgehen ließ, — nur diesen halten wir für glücklich.Aber einen selig zu preisen, der noch lebt und noch in den G e-fahren des Lebens steht: das heißt einem Kämpfer den Siegzuerkennen und den Kranz aufsetzen — schon mitten im Kampfe!Und darum ist es unsicher und eitel!"

Nach diesen Worten entfernte sich Solon; er hatte den Krösuszwar geärgert, aber nicht gewarnt.

Achtundzwanzigstes Kapitel.

Der Fabeldichter Äsop befand sich damals infolge einer Ein-ladung, die von Krösus an ihn erging, gleichfalls in Sardes undgenoß dort viele Auszeichnung. Es war ihn: leid, daß man demSolon gar keine Freundlichkeit erwiesen hatte. Um ihn: einenWink zu geben, sagte er daher: „Lieber Solon, mit Königen mußman reden — möglichst selten, oder möglichst ohne Schelten!"

63. Sie war Junopriesterin; der Tempel war ungefähr zwei Stun-den entfernt.