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Cap. 22.
Indessen war dieses Leben auch noch durch sein Begängnis; höchstbeneidenswert!). Die verbündeten und befreundeten Völkerschaftenkamen mit Kränzen und öffentlichen Opserbeitrügen insgesammt zu derBestattung herbei, die Patrieier trugen die Bahre, auch die Priesterder Götter fanden sich ein, um ihm noch das Ehrengeleite zu geben.Unter der übrigen Menschenmasse bemerkte man auch eine Menge vonWeibern und Kindern, und die Anwesenheit all dieser Menschen schiennicht der Bestattung eines grau gewordenen Königs zu gelten, sondernes war, wie wenn jeder Einzelne ein schwer vermißtes nahes Gliedder eigenen Familie auf dem Höhepunkte des Lebens in tiefster Trauerzum Grabe begleitete.
Doch übergab man nun seinen Leichnam nicht dem Feuer; er selbsthatte es verboten, wie man erzählt. Dagegen ließ man zwei steinerneSärge machen, die man am Fuße des Janicnlum beisetzte. Der eineenthielt den Leichnam, in dem andern lagen die heiligen Bücher, welcheer mit eigener Hand geschrieben hatte, wie die griechischen Gesetzgeberihre Gesetzestafeln. Er hatte die Priester noch bei seinen Lebzeiten überdas Niedergcschricbene gründlich belehrt, hatte ihnen den Inhalt undSinn von Allein beigebracht und deßhalb nun den Befehl gegeben, daßdiese heiligen Schriften zugleich mit seinem Körper begraben werdensollten, weil so tiefe Lehren keineswegs in dem seelenlosen Buchstabenden rechten Platz zu ihrer Aufbewahrung finden könnten.
Die gleiche Anschauung soll auch die Pythagoräer abgehalten haben,ihre Gebote in der Schrift niederzulcgen; sie wollten die Erinnerungdaran und ihre bildende Wirkung ohne alle Schrift in dem Innerenvon Menschen bergen, die dessen würdig waren. Sogar bei der Be-schäftigung mit den schwierigen und, wie man sich ansdrückte, geheimenSätzen der Geometrie fand etwas Achnliches statt. Wurde so etwas aneinen Unwürdigen ausgcschwatzt, so behaupteten sie, daß der Himmelselbst ein Zeichen gebe und durch ein großes allgemeines Unglück diebegangene Uebertretung und Sünde heimsuche. Man muß es daherdurchaus verzeihlich finden, wenn Manche sich eifrig bestreben, bei sovielen vorhandenen Aehnlichkeiten den Numa mit Pythagoras in Einszusammenzuführen.