Dagegen nehmen die Meisten an (nnd unter ihnen befindet sichmich Jnba), daß es eine Aufforderung, ein Zuspruch zum Fleiß nndnamentlich zur Wollenarbcit gewesen sei, indem damals die grie-chischen Namen noch nicht non römischen verschlungen waren. Wennaber auch diese Annahme nicht so übel ist und vielmehr die Römer da-mals das Wort „Talasia" noch ebenso gebrauchten, wie wir, so könnteman doch eine andere Ursache vermnthcn, welche mehr Wahrscheinlich-keit besitzt. Als sich nämlich die Sabiner nach beendigtem Kriege wie-der mit den Römern ausglichen, wurde hinsichtlich der Frauen ver-tragsmäßig bestimmt, daß dieselben für ihre Männer keine andere Ar-beit verrichten müßten, als was mit dem Wollengeschäst znsammen-hängt. Es blieb also auch bei späteren Hcirathen der Gebrauch, daßdie, welche die Braut hergaben, oder beim Hochzeitzng begleiteten, oderüberhaupt anwesend waren, scherzweise „Talasins!" riefen, um damitzu bezeugen, daß man die Frau zu keiner anderen Dienstleistung, alsznm Wollekrempeln, in das Haus führe.
Bis ans den heutigen Tag hat sich auch die weitere Sitte erhal-ten , daß die Braut selbst nicht mit eigenen Füßen die Schwelle in'sZimmer überschreitet, sondern ans den Armen hineingetragcn wird,weil sie auch damals mit Gewalt geschleppt werden mußten nnd nichtanders hineingingen.
Einige berichten ferner, daß auch das Herkommen, wornach mandas Haar der Neuvermählten mit einer Lanzenspitze*) schlichtet, einesymbolische Hinweisung ans den Umstand sei, daß die erste Hochzeitnur unter Kampf und auf kriegerische Weise stattgcfnndcn habe. Hie-von ist in meiner Schrift: „von dem Ursprung römischer Gebräuche"ausführlicher gesprochen.
Der Raub wurde unternommen und ansgeführt — ungefähr amachtzehnten Tag des damaligen Monats Septilis, des jetzigen Augusts— an welchem Tage man das Fest der Consualien feiert.
*) Dieß war eine Imsto. caolldarin, ein Wurfspicsr, der schon in dem Leib einesGladiators gesteckt hatte. Dieser Gebrauch sollte theilS an die Art erinnern, wie sichdie Römer ihre Frauen erkämpft hatten, theils andeuten, daß der Mann vollständigeGewalt über die Frau habe.