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Eine edle Körpcrgcstalt lies; alsbald und schon in frühester Kind-heit durch ihre Größe nnd Schönheit die wirkliche Natnr deutlich ahnen,die iu ihnen lag. Als sie hcranwuchscn, waren beide beherzt undtapfer; sie hatten gegenüber von jeder Gefahr, die sich zeigte, einenMnth und eine Kühnheit, welche durch nichts erschüttert werdenkonnten.
Doch schien Romulus zugleich mehr Ueberlcgung zu zeigen undmehr politischen Verstand zu besitzen. Auch iu den Berührungen mitden Nachbarn, welche durch das Weiden oder Jagen herbeigeführt wur-den , ließ er vielfache und deutliche Spuren davon erkennen, daß ermehr zum Gebieter, als zum gehorsamen Diener geschaffen sei. Daherwaren denn auch Beide freundlich gegen Stammesgenossen oder Leuteniedrigeren Standes, während sie auf die königlichen Vorstände, Auf-seher und Oberhirteu, die, wie sie meinten, „um kein Haar tapfererseien", stolz heruntersahen, ohne sich um deren Drohungen oder Zornim mindesten zu kümmern. Sie wählten sich ferner nur Lebeusgewohn-heiteu und Beschäftigungen, wie sic dem freien Manne anstchcn.Mnssiggang und Unthütigkeit war in ihren Augen eines freien Mannesnicht würdig, wohl aber körperliche Hebungen, Jagen, Rennen, Räu-ber vertreiben, Diebe einsangen und Bedrängte vor fcruercit Gewalt-thätigkciten schützen. Durch solche Handlungen wurde bald ihr Nameweit und breit mit Ehren genannt.
Cap. 7.
Nun bekamen einmal Amulins' Nindcrhirteu Händel mit denendes Numitor. Als man den elfteren ihre Heerden forttrieb, wolltendies; die Jünglinge nicht dulden, erschlugen znm Thcil die Gegner oderjagten sie davon und nahmen ihnen das Meiste von der Beute wiederab. Den Unwillen des Numitor hierüber achteten sie nicht; vielmehrwurde von ihnen eine ganze Schaar von Verarmten oder Sklaventhcils gesammelt, theils angenommen, wodurch sie den Grund zu re-bellischer Kühnheit und Gesinnung legten.
Als sich später Nomulus zur Begehung eines Opfers entfernthatte — wie er denn überhaupt ein Freund von Opferdienst und