Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
585
Einzelbild herunterladen
 

Achthundert und neunzigste Aucht. 585

er dies hörte, schlug er die Zähne übereinander und befahl Dilbudj, der noch immera der Thüre stand, mich nach der Adlersschlncht zu tragen. Ich bin nun schon zwanzigJahre hierher gebannt, und der Geist Dilhuds bringt mir jeden Tag meine Nahrung.Ich hatte schon alle Hoffnung verloren, je wieder meine Freiheit zu erlange», als vorzehn Tagen mir im Traume ein alter Mann von sehr ehrwürdigem Aussehen erschien,

der mir znrief: Freue dich, Heisa, die Stunde der Erlösung ist nahe, der Tyrann

Sintbest liegt in den letzten Zügen, du kannst bald in deine Heimath zurückkehren,

und den Thron deines Vaters, der längst schon todt ist, besteigen. Habe nur noch

Geduld, bis zwei Männer hierher kommen; der Eine heißt Mahmud aus Tunisund der Andere Djaudar aus Kahira, und stehe ihnen bei, daß sie in den Besitz desZauberschwerts und des heiligen Buchs gelangen, sie werden dann auch dich in deineHeimath zurückbringcn. Nun wißt ihr, wer ich bin, folget mir jetzt und thut, was icheuch rathe?

Bei diesen Worten zog sie einen goldnen Schlüssel aus einer Tasche und öffneteden Saal, vor welchem sie saß. Er war ungeheuer groß und ringsum mit Divane»belegt, auf welchen Könige saßen mit Kronen von den kostbarsten Edelsteinen auf demHaupte. Jeder hatte eine goldne Kette um den Hals, an welcher eine silberne beschriebeneTafel hing. ,Wie kommen so viele Könige hierher?^ fragte ich Heisa erstaunt, ,leben sieoder sind sie todt?^ ,Du siehst hier nur Leichen/ antwortete Heisa (gepriesen scy Gott,der allein Unsterbliche!), ,es sind Könige, Söhne von Königen, denen sogar Könige alsSklaven dienten/ In der Mitte des Saales war ein Springbrunnen mit vier goldenenLöwen, über welche sich vier Pfauen aus Perlen und Edelsteinen erhoben, und den Löwengegenüber standen vier messingene Statuen, deren jede eine Trompete an den Mundhielt. Nebm diesen Statuen befanden sich vier griechische Sklavinnen mit Tamburinenaus Gazcllenhaut und vier Fränkinnen mit Lauten. Die Mädchen sahen aber so frischaus, daß man sie für lebendig hielt und glaubte, sie müßten sprechen. Um den Spring-brunnen herum standen Stühle, auf denen Könige saßen, aber ein schönerer und höhererStuhl stand leer da. ,Dieß ist der Stuhl des Königs Sintbest/ sagte Heisa, und batmich, darauf Platz zu nehmen. Sobald ich mich niederließ, drehten sich die Löwendreimal im Ring herum, standen auf, wedelten, streichelten und leckten mich, die Pfauensperrten den Schnabel auf und verbreiteten die feinsten Wohlgerüche aus ihrem Munde,die messingenen Statuen verbeugten sich und die Sklavinnen fingen an auf ihrenInstrumenten zu spielen. Ich blieb sitzen und hörte ihnen zu, bis Heifa zu mir sagte:,Wenn du tausend Jahre auf diesem Stuhle bleibst, werden die Mädchen nicht aufhören

Tausend und eine Nacht. IV.

74