Achthundert und dreiuiidstebenzigstr Klacht.
war — es war nach Einigen der Engel Gabriel, nach Andern der Prophet Albid Pr-ober Saloino's Vizicr Asaf —: „Ich will dir ihn in einem Augenblicke bringen."Er betete nur: „Erbabcner, ewiger, allmächtiger, gütiger Gott, dem Alles leicht ist,sende Balkis' Thron hierber!" — Und sogleich befahl Gott Engeln, ihn unter derErde bis an die Stelle, wo Salomo stand, zu tragen; dann spaltete sich die Erde, undder Thron stieg neben dem Saloino's empor. „Wie groß ist die Macht Gottes!" riefSalomo; „nur er kann einen so großen, schweren Thron in einem Augenblicke eineStrecke von zwei Monaten durchschreiten lassen." Er befabl dann seinen Leuten, denThron unkenntlich zu mache»; sie setzten die rothen Steine an die Stelle der grüne»,die vorder« Theile an den Nücke» und den ober» herunter. Aber dennoch sagte Balkis,als sie daran vorüberkam: „Mir ist, als wäre dies mein Thron." Man zeigte ihrdann Saloino's Schloß, und hieß sie hineingehen. Aber der Boden des Vorbofs warvon weißem Glas, unter welchem Wasser mit allerlei Fischen floß, so daß Balkis,welche glaubte, sie müsse einen kleinen Teich durchwate», ihr Kleid bis über die Knieeaufhob. Salomo, der von seinem Thron ans ihr zusah, brauchte nämlich diese List,lim ihre Füße entblößt zu sehen, weil die Genien ihm gesagt hatten, Balkis babeEselsfüße. Die Genien sahen es nämlich sehr ungern, daß Salomo die Königin vonSaba heirathcte, weil sie fürchteten, sie möckte, selbst eine Genicntochter, ihre Geheimnisseverralhcn und Kinder zeugen, welche noch mehr Macht als Salomo über sie habenwürden. Da aber Salomo auf diese Weise sich überzeugte, daß ihre Füße eben sowohlgcbildet als ihr übriger Körper war, heiratbete er sie, bestätigte sie in ihremKönigreiche, ließ ihr von seinen Genien drei Schlösser in Jemen bauen, schickte sie nachMareb zurück und besuchte sie daselbst jeden Monat einmal, denn er brauchte zur Reisevon Syrien nach Jemen nur einen halben Tag. Sieben Jahre und sieben Monatenachher starb Balkis und ward in Palmyra begraben. Niemand wußte ihre Begräbnißstättebis zur Zeit des Chalifcn Walid. Als nämlich Abu Musa mit Ab bas, dem Sohnedes Chalifen, nach Palmyra geschickt wurde, regnete es daselbst so anhaltend, daß einTheil der Stadtmauer einficl und man einen Sarg von einem gelben Steine fand, dersechzig Ellen lang war, und es war darauf geschrieben: „Hier ist das Grab der frommenBalkis, Gattin Saloino's, Davids Sohn, welche am zweite» Rabia des sicbenund-zwanzigstcn Regierungsjahres Saloino's gestorben ist." Als sie den Deckel des Sargsaufhobc», sahen sie eine Frau, welche »och so frisch aussah, als wäre sie eben erstverschieden. Sie machten sogleich dem Chalifen die Anzeige dieser Entdeckung; er befahl,den Sarg an seinem Orte zu lassen und die Stelle mit Marmorstciiien zu verbauen.