HA Siebenhundert und fünsundvierzigste Nacht.
nichts gestehen, bis ich ihnen mit Prügeln drohte, da sagten sie: „O Emir, wisse, wirsind gestern Nacht eingcschlafen, und als wir erwachten, vermißten wir einen der Gehängtensammt seinem Galgen, da fürchteten wir uns vor dir und ergriffen einen Bauer, dereben auf einem Esel zu uns geritten kam, und hängten ihn statt des Diebes, der unsgestohlen worden." Ich fragte sie: „Was habt ihr bei dem Bauer gefunden?" Sieantworteten: „Einen Esel mit einem Quersacke beladen." — „Und was war darin?" —„Das wissen wir nicht." Da ließ ich den Quersack holen, und als ich ihn öffnete, fandich darin die zerschnittene Leiche eines Ermordeten; da dachte ich bei mir selbst höchsterstaunt: Gepriesen sey Gott! Gewiß hat der Bauer durch seine Mordthat verdient,gehängt zu werden. Der Herr läßt seinen Geschöpfen kein Unrecht widerfahren.
Der zweimal bestohlene Geldwechsler.
Ferner wird erzählt: Ein Geldwechsler, der einen Beutel mit Gold bei sich hatte,ging einst vor einer Bande Spitzbuben vorüber; da sagte Einer von ihnen: „Wenn ichwill, so ist dieser Beutel mein." Sie fragten: „Wie so?" Er antwortete: „Ihr solltes bald sehen." Er folgte dem Geldwechsler, welcher, in seinem Hause angelangt, denBeutel aus den Sopha warf und in den Hof ging. Er rief dann seiner Sklavin, siemöchte ihm das Waschbecken bringen; sie ging mit dem Waschbecken in den Hof und ließdie Thüre des Zimmers, in welchem der Beutel war, offen. Der Dieb benutzte diesenAugenblick, stahl den Beutel, ging damit zu seinen Freunden und erzählte ihnen denErfolg seiner Unternehmung. Da sagten ihm seine Freunde: „Wahrlich, was du hiergethan, kann Jedermann thun, doch wenn jetzt ler Geldwechsler aus dem Hofe kömmtund seinen Beutel nicht findet, wird er die Sklavin dafür bestrafen; wahrlich, du hastnichts Lobenswerthes vollbracht; bist du ein geschickter Dieb, so mußt du dafür sorgen,daß die Sklavin nicht geschlagen werde." Er sagte: „Gut, das will ich."
Der Dieb ging sogleich in das Haus des Geldwechslers zurück, und er hörte vorder Thüre, wie dieser seine Sklavin wegen des Beutels bestrafte. Er klopfte an der Thüre,und als der Geldwechsler ihn fragte, wer er sey, sagte er: „Ich bin der Diener deinesNachbars auf dem Bazar, der dich grüßen und dich fragen läßt, warum du auf einmalso leichtsinnig geworden, daß du deinen Beutel vor die Thüre deines Ladens hinwirfstund fortgehst, so daß, wenn ihn ein Fremder genommen hätte, er für dich auf immerverloren geblieben wäre." Er zog bei diesen Worten den Beutel heraus und zeigte ihn