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Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft : offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Ernst Haeckel
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wenigstens, an nachweislichen Fällen der Art nochmangelt. Uebrigens ist, wie gesagt, der Unterschiedbezüglich des Beobachtungsmaterials zwischen derSprachwelt und der Pflanzen- und Thierwelt nur einquantitativer, nicht aber ein specifischer, denn bekannt-lich ist ja die Abänderungsfähigkeit in gewissem Gradeauch für Tliiere und Pflanzen eine anerkannte That-sache.

Aus dem bisher über die Differenzierung einerGrundform in mehrere zuerst wenig, dann allmählichstärker von einander abweichende Formen Dargelegtenfolgt, dass wir auf sprachlichem Gebiete zwischen denBezeichnungen für die verschiedenen Stufen der Unter-schiede, d. li. zwischen Sprache, Dialekt, Mundart,Untermundart keine festen und sicheren Begriffsunter-schiede aufzustellen vermögen. Die Verschiedenheiten,welche durch diese Worte bezeichnet werden, habensich allmählich gebildet und gehen in einander über;noch dazu sind sie in jeder Gruppe von Sprachenihrem Wesen nach verschiedenartig. So stehen z. B.die semitischen Sprachen in einem Avesentlich anderenVerwandtschaftsverhältnisse zu einander als die indo-germanischen Sprachen; von der Venvandtschaftsartbeider Sippen unterscheidet sich aber Avieder die derfinnischen Sprachen (finnisch, lappisch, magyarischu. s. f.) sehr Avesentlich. So Avar denn begreiflicher Weisenoch kein Sprachforscher im Stande eine genügendeDefinition von Sprache im Gegensätze zu Dialekt u. s. f.zu geben. Was die Einen Sprachen nennen, dasnennen die Andern Dialekte und umgekehrt. Sogardas so genau durchforschte Gebiet der indogermanischen