Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
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Vierzehnte N o eh t.

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aber bevor der Todescngel mein Haupt auf das Kissen darniederstreckt, befehle ich euch,meine Leichenfeier zu halten. Ich will sehen, auf welche Weise ihr dieselbe begehenwerdet, wenn ich todt bin. Befriedigt meine Neugierde; befehlt sogleich in meinemNamen meinen Vefiren, daß sie in größter Eile alle Chans und die mir benachbartenKönige oder die mir Tributpflichtigen einladcn mögen, sich dabei einzufinden; damitNichts daran fehle und Alles mit derselben Pracht geschehen möge, als sep ich nichtmehr am Leben."

Die drei Fürstensöhne begannen bei dieser Rede zu weinen, und schickten sich dannan, dem Könige, ihrem Bater, zu gehorchen.

Die Vesire versäumten gleichfalls nicht, alle nöthigen Befehle zu dieser traurigenFeierlichkeit, wozu der Tag anbcraumt wurde, zu geben; ebenso trafen die Beps alleAnstalten, welche man von ihnen erwartete, in der Art, daß Alles bereit war, als derbestimmte Tag anbrach. Der Palast war mit Trauerteppichen behängt, auf dem Platzedavor wurde die Leibwache, welche fünfzigtausend Mann stark war, in Schlachtordnungaufgestellt, und man zahlte ihnen den Sold in goldenen Beuteln aus. Darauf tratenalle Beyö in das Gemach des Sultans, welcher auf seinem Lager ruhte; sie nahmen ihnund trugen ihn auf einen Thron, vor den vier Vesire einen Sarg sezten, über den Sargaber hielten vier Königssöhne einen prachtvollen Baldachin. Darauf begannen sechs Bepsüberall hin Erde, aus dem Palast genommen und vermischt mit einer Menge kleinerTafftstückc von allen Farben, auszustrcuen. Endlich kamen die drei Söhne des Sultansund schmückten den Sarg mit einer unzähligen Menge edler Steine und sezten die KroneAkschids darauf, welche von den größten Diamanten strahlte.

Daraus nahmen vier Groß-Chans, das heißt vier unabhängige Tatarenfürsten, jedereinen Fuß des Sarges und luden ihn auf ihre Schultern. Die Scheichs, oder Gelehrten,und die Derwische schritten vor dem Sarge her und sangen Psalmen. Die Sahiden oderEinsiedler folgten ihnen, und einer derselben, auf einer gesattelten Kameelstute reitend,trug den heiligen Koran mit der größten Ehrfurcht. Die Königssöhnc, die Groß-Chaneund ihre Söhne gingen an den Seiten des Sarges, und unmittelbar hinter denselbenfolgten zweihundert Tambourinspicler, welche, an ihr Tambourin schlagend, wie es beiTraucrzügen gebräuchlich ist, Lieder zum Ruhme des Königs sangen, dann plötzlich ihrenGesang unterbrachen und Alle zusammen laut schrien:Grausame Schickung, unseligerTag! Der Sultan, der gerechteste unter den Herrschern der Welt, der Eroberer der