7» Geschichte der Krcuzzüge. Buch II. Kap. VIII.
2. §br.1102 .
keiteu verglichen, nur um neuen Streit im Lande des Erlö-sers zu beginnen.
Freylich, wenn man von dem letzten Wunsche des ta-pfersten der Kreuzhclden abwcichcn wollte, so war das Rechtvon dem Bruder Gottfrieds, dem Grafen Balduin zuEdessa,auf die Krone nicht unwidersprechlich. Denn ob zwar dieKrone des Reichs Jerusalem als erblich von den Baronendes Reichs durch cirst Grundgesetz anerkannt war, so ließdennoch wenigstens sich zweifeln, ob jene Erblichkeit auchauf die Seitcnvcrwandte auszndehnen sey. Dieses läugue-tcn diejenigen, deren Partcyrücksichten entweder ein andresHaupt als den Grafen Balduin forderten, oder welcheeinen andern Fürsten mehr als jenen liebten. Einigedachtcnan den Grafen Raimund, welcher schon ehemals um dieKrone von Jerusalem geworben r-atte, und damals, seit-dem er schon begriffen auf der Rückkehr in die Hcimathsich entschlossen hatte, ein Fürstcnthum im heiligen Landesich zu erkämpfen, wider die Türken in Emcssa und Hemsrühmliche Abentheuer bestand. Raimund aber, von seinenVerbindungen mit dem Kaiser Alepius großem Vortheil er-wartend, verschmähte das Regiment über ein Reich, wel-ches durch die heftigste Zwietracht zerrüttet und durch dieOberlehcnherrschaft eines Pfaffen verunchrt war'). Darumhatten auch die Bewerbungen für Raimund keinen Antheilan der nunmehr entstehenden Verwirrung.
Desto heftiger und leidenschaftlicher bemühte sich derPatriarch Dagobert, welcher seine Erhebung zur patriarcha-
l) Lniiae Oomii. chstcxiss I.ik.XI. S. No. Darin irrt sich A n n <1.dag dir Lateiner, wie sie meint, denGrafen Balduin erst dann riefen,als sie sichen, dag er die- Krone nicht
wollte. Denn er begab sich, nach-dem sie chm dieselbe angeboten, nachConstantinopcl. Aber eü ist nicht zuzweifeln, dag auch Raimund seinePartey gehabt habe.