Dreihundert und stebenundsechzigste Nacht.
viel!" Der Chalif sprach zu den Anwesenden: „Ihr seyd Zeugen, daß ich dieses Geld diesemjungen Manne schenke." Derselbe trat dann vorwärts, küßte die Erde nnd schwieg; erschämte sich und weinte, es flössen Thränen über seine Wangen; mit Erlaubniß des erhabenenGottes kehrte das Blut wieder in sein Gesicht zurück, und es war wie der Vollmond.Als der Fürst der Gläubigen ihn sah, sagte er: „Es gibt keinen Gott, außer Gott!gepriesen sey der ewig Unveränderliche! sieh einmal in den Spiegel!" Als er seinGesicht gesehen, fiel er dankend vor Gott nieder, und dankte auch unserm Herrn Haru nArraschid, dem Fürsten der Gläubigen. Der Chalif sprach: „Bei der HerrlichkeitGottes und seinem vollkommenen Wesen! ich nehme keinen Drachmen von diesemGeld! ich schenke dir Alles, und ein Ehrengeschenk darf nicht zurückgewiesen werden."Er ließ das Geld in sein Haus tragen, nahm ihn auf immer in seine Dienste, machteihn zu seinem Gesellschafter, und sie lebten in Wonne, Freude und Annehmlichkeiten,bis ihnen der Herr der Welten den Tod sandte.
Doch, was ist dies im Vergleich zur
Geschichte der Haiat Alnufrrs mit Ardfchir.
Man erzählt nämlich — und Gott kennt am besten alle Geheimnisse der Vergangenheitund Zukunft der Geschichte der Völker— es war in den frühesten Jahrhunderten ein mächtigerSultan, der viele Truppen und Verbündete hatte; er besaß einen einzigen Sohn, derArdschir hieß, so hübsch und verständig und alle Vollkommenheiten umfassend, wie nie einAuge gesehen. Seine Leidenschaft war die Jagd. Als er einst auf der Jagd war, nahte sicheine Karavane, deren Anführer ein sehr einnehmendes Gesicht hatte. Es gefiel dem Prinzenso sehr, daß er zu einigen seiner Diener sprach: „Geht, und bringt mir diesen Mann!" Siegingen zu ihm und sagten ihm: „Der Prinz möchte mit dir Zusammenkommen." DerKaravanenführer sagte: „Ich gehorche;" zog seine schönsten Kleider an, machte sichsogleich auf, nahm kostbare Geschenke mit und ging mit den Dienern zum Prinzen. Alsihm der Prinz erlaubt hatte, vor ihn zu kommen, küßte er die Erde, wünschte ihm langesLeben und überreichte ihm die Geschenke. Der Prinz freute sich darüber, hieß ihn sitzenund redete ihn frenndlich an. Dann sagte er zu ihm: „Aus welchem Lande kommst du?und in welchen Geschäften?" Er antwortete: „Herr! ich komme aus Indien, um mirTrost und Zerstreuung zu holen." Der Prinz fragte: „Und warum bedarfst du