212 Dreihundert und vierzehnte Uacht,
und trockne Früchte. Später begab sich Seif Almuluk in einen großen Saal zurRuhe, wo ihm ein Lager bereitet worden war. Des Morgens stand der Jüngling vorSonnenaufgang auf und sagte zu Seif Almuluk: „Strecke deinen Kopf zum Fensterhinaus und gebe Acht auf das, was du draußen siehst!" Als Seif Almuluk den Kopfhinausstreckte, sah er das ganze Land voll von Affen, eine so große Menge, wie nurGott, der Erhabene, sie zu zählen vermochte. Da sagte Seif Almuluk: „Warumversammeln sich diese Affen hier?" Der Jüngling erwiderte: „Jeden Samstag kommensämmtliche Affen, die auf der Insel sind, zwei, drei Tagreisen weit her, und versammelnsich an diesem Orte, bis ich vom Schlaf erwache und den Kopf zum Fenster hinausstrecke; sobald sie mich sehen, küssen sie die Erde und bieten mir ihre Dienste an; danngeht jeder wieder seinem Geschäfte nach." Als nun die Affen den Jüngling amoffenen Fenster erblickten, verbeugten sie sich vor ihm und gingen an ihre Arbeit. SeifAlmuluk blieb einen ganzen Monat bei diesem Jüngling, dann nahm er Abschied vonihm und reiste weiter. Der Jüngling gab ihm etwa zweihundert Affen zu seinerBedienung mit, die ihn sieben Tage lang begleiteten, bis er die Grenze ihres Landeserreichte; dann nahmen sie Abschied von ihm und kehrten nach ihrer Heimath zurück.Seif Almuluk reiste nun allein durch Berg und Wald, Hügel und Ebene, durchWüste und Fruchtland vier Monate lang. Einen Tag hungerte er, einen andernhatte er wieder vollauf zu essen, und dann mußte er sich vom Gras der Wüstenähren. Er bereute es, den Jüngling verlassen zu haben, und schon wollte erwieder umkehren, da schimmerte aus der Ferne etwas Schwarzes in seine Augen. Er-dachte, hier ist ein Obdach oder ein Baum, ich will einmal sehen, was es ist; er gingdarauf zu und sah-ein hohes Schloß; es war das, welches Jafet, Sohn Noahs,Friede sey mit ihm! gebaut hatte, und im heiligen Buche (Koran) mit den Wortenerwähnt ist: „Ein festes Schloß und ein verwüsteter Brunnen." Er setzte sich vordie Thüre des Schlosses und dachte: „Gehört es wohl Menschen oder Genien?"So saß er eine Weile davor, sah jedoch Niemand weder aus- noch eingehen, standdaher auf und ging im Vertrauen auf den erhabenen Gott in's Schloß hinein; er zähltesieben Gänge darin, sah aber keinen Menschen; am Ende des siebenten Ganges befandsich eine Thüre, vor der ein Vorhang hing; den hob er auf und trat in einen großenSaal mit sieben Teppichen auf dem Boden. Mitten im Saale war ein goldener Thron,worauf ein Mädchen saß, schön wie der leuchtende Mond; sie hatte königliche Kleideran und war geschmückt wie eine Braut in der Hochzcitnacht. Unter dem Throne standeine Tafel, darauf vierzig Schüsseln mit den köstlichsten Speisen. Als Seif Almuluk