Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
45
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Lwcil,lindert und licbcnundfünfzigste Nacht.

Wie viele Qual ohne Ruhe! während Andere den Schatten des Glückesgenießen. Ich lebe in täglichen Beschwerden und Sorge», und übergroß istmeine Last. Andere sind selig ohne Leid, und nie gibt ihnen das Schicksal eineLast, wie mir, zu tragen. Sie sind immer vergnügt im Leben, haben Rcichthnmund Ansehen, Essen und Trinken. Und doch entstehen alle Geschöpfe aus EinemTropfen, und doch gleichen die Andern mir, und ich bin wie sie. Aber unserLeben und Schicksal ist sehr verschieden, ihre Bürde gleicht der mcinigcn nicht.

Ich erfinde nichts, meine Worte gehen zu dir, o gerechter Richter, dein Spruchist doch Gerechtigkeit!"

Kaum hatte Sindbad diese Verse geendigt, so sah er einen sehr hübschenrer'chgekleidctcn Jungen von feinem, schönem Ansehen zur Thüre herauskommen und aufsich zugehen. Sindbad wollte schnell seinen Pack aufladen und seines Weges gehen,ehe er aber dies thun konnte, war der Junge bei ihm, ergriff ihn an der Hand undsagte:Mein Gebieter, der Eigenthiimer dieses Hauses, schickt mich zu dir, er will dichsprechen." Der Träger suchte sich zuerst damit zu entschuldigen, er könne doch seineBürde nicht mitten auf der Straße liegen lassen, habe auch keine Zeit zu versäumen,wie ein reicher Mann; allein der Diener drang immer mehr in ihn und versicherteihn zu wiederholten Malen, er werde es nicht bereuen und solle nur keine Furcht haben,so daß Sindbad zuletzt seine Last aufhob, sie in die Vorhalle des Hauses beim Pförtnerlegte, und dann dem Jungen in's Haus folgte. Jetzt erst konnte er die Pracht undSchönheit dieses Hauses röcht sehen, denn der Diener führte ihn durch Gänge undZimmer, bis sie in einen großen Saal kamen, der herrlicher ausgeschmückt war, alsalle andere Gemächer. An seinen vier Seiten waren Erhöhungen mit kostbarenDivanen angebracht, in der Mitte sprang ein Springbrunnen von Rosenwasser auseinem goldenen Becken bis an die Decke des Saales, die Fenster gingen auf einenschönen Garten, der voll Seen, schöner Lusthäuser und schattiger Wäldchen war; Blüthenund goldene Früchte prangten an den Bäumen und hingen bis in den Saal herein,ein erfrischender Zephyr führte den Duft der Blumen, den Gesang der Vögel und dasMurmeln der Springbrunnen und Bäche durch die Fenster zu den Ohren der ehrwürdigenVersammlung, welche in weitem Kreise um den Hausherrn herumsaß. Dieser nahm denEhrenplatz auf einer Erhöhung ein und war ein ansehnlicher, wohlgestalteter, durch einengroßen weißen Bart ehrwürdiger Mann. Eine Menge Sklaven und Bediente allerArt standen hinter ihm, auf seine Befehle wartend. Der Diener führte den erstauntenLastträger, der dachte, nur im Paradiese gäbe es einen solchen Ort, mitten in diese