870 Zweihundert und vierzigste Nacht.
Darauf gab sie den Kauflcutcn ihre Maaren frei und machte dem Capitän desSchiffs reiche Geschenke, ging zu Bette und erzählte Alles Haiat al Nufus, undsagte zu ihr: „Halte ja Alles verborgen, bis ich meinen Zweck erreicht habe. Es ist,"setzte sie hinzu, „ein zu großer Abstand von einem Gärtner zu einem großen Fürsten, daßcs gefährlich werden könnte, ihn in einem Augenblicke von dem geringsten Stande desVolks zu der höchsten Stufe zu erheben, so gerecht es auch wäre." Die Prinzessin derEbcnholzinscl versicherte sie, daß sie mit dem größten Vergnügen Alles thun werde,waS sic nur wünschte. Am andern Morgen ließ sie Kamr cssaman in's Bad führenund anständig kleiden, ernannte ihn darauf zum ersten Emir, und schenkte ihmMamelucken, Knaben, Diener, Pferde und Schätze, und Alles, was sonst ein Emirbedarf. Kamr essaman kam aus dem Bade wie der Zweig eines Ban; er gingin's Schloß und küßte die Erde vor der Prinzessin. Als Vedur ihn sah, mußte siesich wieder viel Gewalt anthun, um ruhig zu erscheinen; sie nahm ihm die Emirstelleab, machte ihn zum Schatzkämmercr, und näherte sich ihn so viel als möglich; siemachte allen Großen seinen Nang bekannt, und Alle liebten und verehrten ihn, undmachten ihm viele Geschenke. Bedur hob ihn so von Stufe zu Stufe zu sichempor, überhäufte ihn mit Geschenken, und Kamr essaman war nicht wenigerstaunt darüber und kannte cs sich gar nicht erklären, wem er das Alles zuverdanken habe. Auch er machte viele Geschenke, theilte Geld aus und diente demKönig Armanus, und näherte sich ihm mehr und mehr, bis er ihn heftig liebte;auch alle Großen und alle Stadtbewohner liebten ihn sehr und schwuren bei seinemLeben. Als die Königin Bedur sah, daß er alle Herzen gewonnen, sagte sie zu ihm:„Kamr cssaman, du mußt diese Nacht bei mir zubringen; ich habe etwas mit dir zubcrathen." Er sagte: „Ich werde gehorchen." Als cs Nacht war und alle Leuteweggingen, blieb Bedur allein mit ihm und stellte den Obersten der Verschnittenen andie Thüre; sic setzte sich auf ein Sofa und lehnte sich an ein Kissen. Kamr essamanblieb unten stehen mit gefalteten Händen; er war sehr verlegen und dachte: warum willwohl der König mit mir allein bleiben; doch es geschehe, waS Gott will! Bedursagte ihm: „Komm herauf zu mir!" Kamr cssaman aber antwortete: „Mein Platz hierist gut." Sie sagte: „Willst du nicht gehorchen, wenn ich dir etwas zu sagen habe?" Erwiederholte: „Ich stehe hier ganz gut." Da sagte sie: „Wehe dir! darfst tu wohl mirwiderspenstig scpn? Komm'zu mir her, daß ich dich um Rath frage." Kamr essamansetzte sich nun zu ihren Füßen, und die Prinzessin zog aus einer kleinen Büchse denTalisman, gab ihn Kamr cssaman und sagte: „Diesen Talisman hat mir vor