Zweihundert und achtzehnte Nacht.
entschlummerten sie endlich bei dem angenehmen Geplätscher deS Wassers, sich in die! väterliche Obhut des Hecherhabcnen empfehlend, dessen Auge nie schläft.
? Der Garten gehörte dem Chalifen Harun Arraschid und hieß der Garten derBelustigung. Mitten in demselben stand ein großer Saal, welcher der Gemäldesaal! genannt wurde, weil seine Hauptzierde aus Gemälden nach persischer Art bestand, vonder Hand mehrerer persischen Maler, welche der Chalif eigens zur Anfertigung derselbenbatte kommen lassen. Dieser große und prächtige Saal hatte achtzig Fenster, mit einemKronleuchter an jedem; und diese achtzig Kronleuchter wurden nur angezündet, wennHarun Arraschid den Abend hier zubrachte, was gewöhnlich geschah, wenn ihnirgend ein Gram oder die Last seiner Regierungssorgen allzu schwer drückte, und er einBedürfniß nach Ruhe und Zerstreuung fühlte. Brannten dann die achtzig Kronleuchter,so machten sie eine sehr schöne Erleuchtung, welche von der einen Seite auf eine weite
! Entfernung in der Gegend und von der andern in einem großen Theile der Stadt zu
i sehen war. In der Mitte des Saales hing noch ein großer goldener Leuchter, beiwelchem sich der Chalif mit seinem Gesellschafter Abu Jshak niederließ, worauf sicheine große Zahl Sklavinnen um sie versammelte und sie mit Musik und Gesang solangunterhielt, bis die Wolke von des Chalifen Stirne verschwunden und er wieder heiterund zufrieden war.
Es wohnte in diesem Garten Niemand als ein Aufseher, Namens ScheichIbrahim, welchem der Chalif diese Stelle zur Belohnung für vieljährige treue Dienstecrtheilt hatte. Wenn dieser ausgegangen war, um in der Stadt etwas zu besorgen,so fand er häufig bei seiner Zurückkunft Leute, welche in der Nähe des Gartens sich! belustigten und die Ruhe des Ortes störten. Dies verdroß den alten Mann, und er
, machte endlich dem Chalifen die Anzeige davon. Harun Arraschid gab ihm den
^ strengsten Befehl, nicht allerlei Leute in den Garten einzulassen und ebenso auch nichtzu dulden, daß man sich auf die beiden Divans außen am Thore setze oder lege,! damit sie immer reinlich blieben. Mit Jedem, den er darauf beträfe, solle er verfahren,^ wie cs ihm gutdünke.
. An diesem Tage nun hatte ein Geschäft den Aufseher auch wieder genöthigt,
I auszugehen, und er war noch nicht zurückgckehrt, als Nureddin mit Anis Aldjalis^ vor dem Gartenthor ankamen. Endlich ging er nach Hause, und als er das Thor- erreichte, war es gerade noch hell genug, um die beiden Personen zu erblicken, die auf^ dem einen Divan schliefen. Sie hatten ein Tuch über den Kopf hergezogen, um sich vor> den Mücken zu schützen.