N e u n u n d a ch t z i g ft e Nacht. 337
„Als das Paar einige Stunden geschlafen, sagte der Geist zur Fee: „Geh', nimmBedruddin und trage ihn vor Anbruch des Tages wieder an den Ort, wo er gestern
war." Die Fee ergriff ihn und flog mit ihm davon, so wie er war, im Hemde und im
Käppchen. Als der erhabene Gott die Morgenröthe heranbrechcn ließ und die Gebetruferdie Minarcte bestiegen, um des Allmächtigen Einheit zu verkünden, da schleuderten dieEngel einen feurigen Stern gegen die Geister: der männliche Geist verbrannte, die Feeaber ließ Bedruddin schnell auf den Boden nieder und flog davon. Nun wollte dasSchicksal, daß, als die Fee sich herunterließ, sie gerade über einem Thore von
Damaskus war; Bedruddin ward also hier niedergelegt. Als nach Tagesanbruch dieThore der Stadt geöffnet wurden und viele Leute herauskamen, sahen sie Bedruddinliegen, der, von den ausgestandenen Abenteuern des vorigen Tages ermüdet, noch festschlief. Sie versammelten sich um ihn und sagten: „Das ist schön, die Geliebte
dieses Jünglings hat ihm nicht einmal Zeit gelassen, sich wieder anzukleiden." Einer
der Leute sagte: „Dieser Arme gehört zum Volke; gewiß war er betrunken, und
von einem Bedürfnisse getrieben, ist er auf die Straße gegangen und hat die Hausthüre
nicht mehr finden können." So vermuthete Jeder etwas Anderes; endlich erhob sichein sanfter Wind, der Bedruddins leichte Kleidung auswehte und den Leutenseinen schönen Körper zeigte; sie schrien Alle: „ach wie schön!" und dieses Geschreierweckte Hassan. Als er die Augen aufschlug und bemerkte, daß er auf der Straßelag, von vielen Leuten umringt, fragte er die Umstehenden: „Wo bin ich? und waswollt ihr von mir?" — Einige antworteten: „Als wir bei Tagesanbruch hieher-kamen, fanden wir dich hier liegen, weiter wissen wir nichts von dir; sage du selbst,wo du diese Nacht geschlafen hast." — „Bei Gott! ich habe in Kahira geschlafen,"antwortete er. — „Bist du närrisch?" versezten die Leute; „du willst die Nacht inKahira zugebracht haben, und bist Morgens darauf in Damaskus?" — „Wahrhaftig,"erwiderte er, „ich war gestern den ganzen Tag in Basra, vergangene Nacht in Kahiraund nun bin ich hier." Die Leute lachten ihn aus und behaupteten, er sep von Sinnen;dann bedauerten sie ihn, weil er so jung und so schön war, und sagten ihm:
„Nimm doch dein Bischen Verstand zusammen; gibt es denn einen Sterblichen auf derWelt, der des Tags in Basra, Abends in Kahira und den andern Morgen in Damaskussepn kann?" — „Freilich!" antwortete Hassan; „gestern war mein Hochzeitstag inKahira." — „Du wirst dies geträumt haben," sagten seine Zuhörer. Er dachte eineWeile: soll ich denn wirklich geträumt haben, daß ich nach Kahira gekommen und daßman die Braut vor mir geschmückt hat? „Nein, bei Gott!" rief er dann, „es war kein
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