Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
306
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306 U e u » u n d s i c b r II z i g st e U a ch t.

»Bringt man die Schönheit selbst, um fie mit ihm zu vergleichen, wirdsie aus Scham ihr Gesicht Niederschlagen; fragt man sie aber: hast du jeetwas Aehnliches gesehen? so antwortet fie: nein, niemals I"

Nuruddin nannte diesen Knaben Bedruddin Hassan; sein Großvater, der Vefirvon Basra, freute sich unendlich mit ihm; es ward eine große Mahlzeit gegeben, und derVesir machte seinem Schwiegersöhne Geschenke, die eines Königs würdig waren; er gingdann mit ihm zum Sultan, der ein schöner, wohlthätiger und verständiger Mann war,verbeugte sich vor ihm und sprach folgende Verse:

Dein Leben und dein Ruhm mögen so lange dauern, als Morgen undAbend miteinander wechseln! Möchtest du, so lange es eine Nacht gibt, L«ununterbrochenem Glücke sortleben I"

Nachdem der Sultan ihm für seinen Wunsch gedankt, fragte er ihn, wer der jungeMann sey, den er mitgebracht; der Vesir erzählte ihm Nuruddins ganze Lebensgeschichteund sezte dann hinzu:Lasse, o König! diesen Mann an meiner Stelle Vefir werden,denn er besizt eine ausgezeichnete Beredsamkeit; ich, dein Sklave, bin schon sehr alt.Mein Geist hat abgenommen, mein Gcdächtniß ist schwach geworden, darum wünsche ichvon der Gnade des Sultans, daß mein Schwiegersohn nun meinen Platz einnehme; ichglaube wohl, daß er dessen durch meine treuen Dienste würdig geworden." Er küßtedann den Boden vor dem Sultan, der Nuruddin sogleich liebgewonnen, sobald erihn nur angesehen hatte; er ließ daher ein Ehrenkleid herbeibringen und bekleideteNuruddin selbst damit, auch schenkte er ihm eine von seinen besten Mauleselinnen, undsezte ihm sogleich ein Jahrgeld fest, wie es seinem Range gebührte. Der alte Vesirkehrte sodann wieder mit seinem Schwiegersöhne nach Hause zurück, und im Uebermaßeihrer Freude sagten sie zu einander:Dies Glück bringt uns allein das neugeboreneKind!" Am folgenden Tage ging Nuruddin wieder zum Sultan, trat sein neuesAmt an und versah alle Geschäfte eines Vesirs; nichts war ihm zu schwer, als hätte erschon darin eine lange Uebung gehabt. Der Sultan liebte ihn immer mehr; undNuruddin kehrte höchst beglückt über die Huld des Sultans, der ihn reich beschenkte,nach Hause zurück, wo seine Freude mit seinem Sohne, dem er die sorgfältigste Erziehunggab, nicht minder groß war. So vergingen Tage und Nächte, und Bedruddin wardimmer größer und hübscher. Als er aber das vierte Jahr erreicht hatte, ward seinGroßvater krank, er vermachte ihm sein ganzes Vermögen und starb. Man bereitete die