262 Siebe nundsechzigfte Nacht.
Tage, bis unsre Mutter starb, die uns 3000 Dinar hinterließ, Jede von uns erhielt1000 Dinar als Antheil. Ich war die Jüngste von ihnen. Meine beiden Schwesternstatteten sich aus und hcirathetcn. Der Gemal der ältesten nahm sein und ihr Vermögen,packte Maaren ein und reiste damit fort; er blieb fünf Jahre aus, verzehrte das ganzeVermögen, kam dann wieder zurück, aber behielt seine Frau nicht bei sich, sondern ließsie im fremden Lande. Sie reiste in der Welt herum und ich wußte nichts von ihr.Nach fünf Jahren kam sie zu mir, als eine Bettlerin, mit zerlumpten Kleidern und in einemalten, schmutzigen Aufzuge; sie war im erbärmlichsten Zustande. Als ich sic sah, erschrackich und sagte zu ihr, was bedeutet dieser Zustand? Sie antwortete mir: Viele Wortehelfen nichts, die Feder hat das göttliche Urtheil ausgezeichnet'. Hierauf, o Fürst derGläubigen, führte ich sie ins Bad und zog ihr die schönsten Kleider an, kochte ihr auchSuppe, gab ihr Wein zu trinken und bediente sie einen Monat lang; dann sagte ich ihr:„O meine Schwester! du bist unsre Aelteste und an unsrer Mutter Statt, hier ist meinVermögen, das Gott gesegnet hat, ich will Seide spinnen und reinigen; mein Vermögenist rein, nimm es hin, wir wollen gleich sehn." Ich erzeigte ihr die größten WoHOthaten, sie blieb ein ganzes Jahr bei mir. Wir waren besorgt über das Loos unsrerandern Schwester, als diese endlich in einem noch elendern Aufzuge, als die Aeltcre,ankam. Ich that noch mehr für sie, als für Jene. Einst sagten sie mir, wir wollennicht ledig bleiben, sondern wieder heirathen. Ich antwortete ihnen: Ihr habt kein Glückin der Ehe; es gibt wenig gute Männer, bleibt lieber bei mir, wir werden einander gegen-seitig trösten; ihr habt ja schon die Ehe gekostet und sie hat euch nichts Gutes gebracht.Sie hörten aber nicht auf meine Rede und heiratheten ohne meine Erlaubniß; ich mußtesie ein zweitesmal von dem Meinigen ausstatten. Es dauerte aber nicht lange, da nahmenihre Männer Alles, was sie hatten, reisten damit fort und verließen meine Schwestern.Diese kamen jezt wieder zu mir und entschuldigten sich. Sie sagten: „O Schwester!du bist jünger als wir an Jahren, aber älter an Verstand. Nun sey dies das erste undleztemal, daß wir mit unsrer Zunge eines Gatten erwähnen. Nimm uns als Sklavin-nen zu dir, damit wir nur zu leben haben." Ich sagte ihnen: „O meine Schwestern! csist mir Niemand so theuer als ihr." Ich wendete mich ihnen wieder in Liebe zu, undverehrte sie noch mehr als früher. Wir lebten so drei Jahre lang; ich sah jeden Tagmein Vermögen zunehmen und meine Verhältnisse sich bessern. Da wollte ich einmal,o Fürst der Gläubigen! Maaren nach Basra verschicken, ich verschaffte mir ein großes
' D. h. cS ging mir, wie cs von Gott bcstimnit war.