Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
253
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F ü u s n >I d s e ch z i g ft e Nacht. 253

von ihnen getrennt zu werden. Ich ging jezt und öffnete die erste Schatzkammer; als

ich hineinkam, fand ich einen Garten wie ein Paradies. Es waren mannigfaltigeFrüchte darin, dicht ineinander verflochtene Zweige, singende Vögel, murmelnde Ge-wässer. Mein Herz erweiterte sich bei diesem Anblick. Ich lief zwischen den Bäumenumher, athmete den Wohlgeruch der Blumen, hörte das Gespräch der Vögel, die deneinzigen, mächtigen Gott priesen; wie ein Dichter von Aepfeln sagte':

Am Apfel sind zwei Farben vereinigt; es hängen die Wangen des Lie-benden mit denen der Geliebten zusammen, sie umarmen sich in der Mitte;die Röthe deutet auf Vereinigung und das Gelbe auf Trennung."

Ich sah dann Birnen, die besser als Julep und Zucker schmecken und angenehmerals Moschus und Ambra riechen, so wie ein Dichter von Quitten sagte:

Quitten vereinigen alle Annehmlichkeiten der Welt und find als die

vorzüglichsten Früchte bekannt; fie schmecken wie Wein, haben den Wohl-geruch des Moschus, ihre Farbe ist golden und ihre Form wie die desMondes."

Ich bemerkte auch Aprikosen, die dem Auge so wohl gefallen wie Rubin, gingdann aus diesem Garten und verschloß die Thüre. Am folgenden Morgen öffnete ich eineandere Thür; hier sah ich einen großen Platz, in dessen Mitte ein Bach einen Kreisbildete und rings umher waren allerlei wohlriechende Blumen gepflanzt: Rosen, Jasmin,weiße Rosen, Narciffen, Veilchen, Levkojen, Anemonen und Lilien; es wehte gerade einleiser Wind über diese Blumen, so daß der ganze Raum mit Wohlgerüchen angefülltwar; ich unterhielt mich hier und fing an, meinen Kummer zu vergessen. Als ich fort-ging schloß ich auch diese Thüre und öffnete eine dritte. Hier fand ich einen großen Saalmit verschiedenem Marmor und andern kostbaren Steinen durchschnitten. Es warenKäfige von Sandel- und Aloeholz darin mit singenden Vögeln, Nachtigallen, Perlhüh-nern, Turteltauben und noch vielen andern Thieren. Hier ward mir ganz wohl und meinKummer verließ mich. Ich ging schlafen und am folgenden Morgen öffnete ich die vierte Thür.Hier stand ein großes Haus mit vierzig Schatzkammern rings herum; alle mit offnen Thüren.Ich ging hinein und sah Perlen, Smaragd, Rubin, Karfunkel und ganze Haufen von Silberund Gold; mir schwindelte der Kopf, als ich so viele Reichthümer sah und dachte, solcheSchätze könnest nur großen Königen gehören; und ich glaube, daß wenn alle Könige

' So im Texte d. h. Ich sah auch Acpfcl auf welche folgende Verse paffen.