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1 (1838)
Entstehung
Seite
187
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Dreiundvierzigfte Nacht. 187

in die entferntesten Länder würde diese Geschichte gebracht werden. Dann trennteich seine Schwester von ihm, aber auch ihrer hatte sich der Teufel schon bemächtigt, dennsie erwiderte seine Liebe. Nachdem daher mein Sohn sich von seiner Geliebten getrennt sah,ließ er diese unterirdische Wohnung bauen, einen Brunnen graben und verschiedenenMundvorrath Hieherbringen. Er benuzte einen Tag, wo ich auf der Jagd war, um mitdeiner Hilfe seine Schwester hieherzubringen. Er glaubte wahrscheinlich, sie hier langebesitzen zu können, aber Gott war wachsam." Als mein Oheim diese Erzählung vollendetund lange mit mir geweint hatte, sagte er mir endlich:Nun wirst du an meines SohneSStelle treten." Dann sprachen wir noch Vieles über den Tod meines Vaters und über meinausgerissenes Auge, so wie überhaupt über die verschiedenen Zufälle des menschlichenLebens; erst nach vielen vergossenen Thränen stiegen wir wieder die Treppe hinauf,legten die eiserne Platte an ihre Stelle und gingen, ohne daß Jemand uns bemerkt hatte,wieder ins Schloß zurück. Wir hatten uns aber kaum dort niedergelassen, als wir einengroßen Lärmen von Trompeten, Pauken und Trommeln vernahmen, Männcrtritte, Pferde-gewicher, Schellengeklingel und Kampfgeschrei. Schon konnte man vor vielem Staubder großen Menge Fußvolks und Reiter nichts mehr sehen, wir wurden ganz toll davon.Ich fragte, was cs gäbe und hörte, daß derselbe Vesir, der meines Vaters Königreichan sich gerissen, so viel Soldaten zusammengcbracht, daß man sie eben so wenig als dieSandkörner der Erde zählen könne, und daß er mit dieser unwiderstehlichen Armee aufeinmal auch dieses Land überfallen, ja sich sogar die Hauptstadt ihm schon ergebenhabe. Gleich darauf hörte ich, daß mein Oheim ermordet worden, und da ich wußte,daß wenn ich in die Hände des Vesirs fiele, weder ich, noch der Henker meines Vatersdem Tode entgehen würden, ergriff ich die Flucht; da ich aber in diesem Lande so bekanntals die Sonne war und fürchtete, daß Jemand durch meinen Tod sich beim Vesir beliebtzu machen wünschen könnte, blieb mir, nach vielen Thränen, in meiner Verzweiflungnichts anders übrig, als meinen Bart und meine Augcnbraunen abzuscheren und meineprächtigen Kleider mit denen eines Kalenders zu vertauschen. So reiste ich unerkanntals Derwisch hieher, in der Hoffnung, daß vielleicht mein gutes Glück mich mit einemManne bekannt machen werde, der mich dem Sultane der Gläubigen, dem StellvertreterGottes, vorstelle, damit ich ihn von Allem was mir widerfahren, in Kenntniß setze. Ichkam diese Nacht hier an, wußte aber nicht, wohin ich mich wenden sollte, da begegneteich dem neben mir sitzenden Kalender, dem ichs gleich anmerkte, daß er auch von derReise komme, ich grüßte ihn also und fragte ihn, ob er auch ein Fremder wäre, waser bejahte. Während wir so miteinander sprachen, kam, als wir am Stadtthore waren,