Nächste Ursachen des ZOjähr. Kriegs. 291
widmete der Kurfürst die Domkirche zu Berlin öffentlich dem2o.Jun.reformirten Gottesdienste, und so lange er regierte, war die-1614ses auch die einzige Kirche, welche die Reformirten in seinemLande innc hatten.
Weder das gemäßigte Glaubcnsbekenntniß, noch die er-theilte Religionsversicherung, noch, die Edicte gegen das Schmä-hen vermochten cs den Eifer der lutherischen Geistlichen zuzügeln. Noch ehe das Glaubensbekenntnis; im Drucke erschie-nen war, trat der Professor Hutter in Wittenberg, der eshandschriftlich erhalten hatte, gegen die verdammte Sache, wieer es nannte, in einer Schrift auf, die er dem Kurfürstenselbst widmete, in welcher er bei einzelnen Punctcn des Be-kenntnisses ausries: leug, Teufel, leug! Der kursächsischeOberhofprcdiger Hoe von Hoencgg reizte sogar in einer öf-fentlichen Schrift die Märker gegen die Reformirten auf.
> Wahrhaft wüthende Streit- und Schmäh-Schriften, in Prosai und in Versen, lateinisch und deutsch, jagten einander, in derMark wie in den benachbarten Ländern. Es ergab sich deut-lich, daß die lutherischen Geistlichen ihren verlornen Einflußam Hofe nicht vergessen konnten; denn sie sagten laut, der! Kurfürst solle die Kirche regieren durch gottselige Prediger undi Lehrer (das heisst durch Lutheraner), nicht aber durch rechts-s verständige politische Räthe und andere Weltkinder. Ein Haupt-^ punct des Streits wurde das unveränderte augsburgischc Glau-bensbckcnntniß (vom Jahre 1530) und das durch Melanch-thon (1540) in einigen Ausdrücken zu Gunsten der Reformir-tcn veränderte oder verbesserte, nach welchem der Kurfürst zulehren befohlen hatte, weil cs Luther selbst gebilligt habe, wasdie Lutheraner bestritten.
Einer der vorzüglichsten Vcrtheidiger des Kurfürsten warder Gencralsuperintendent und Professor der Theologie an derUniversität Frankfurt, vr. Pclargus, ein sehr gelehrter, dabeiein bescheidener und gemäßigter und rechtschaffener, nur etwasfurchtsamer und schwacher, in vieler Hinsicht dem Melanchthonähnlicher Mann, welcher gern den Frieden hergcstellt und er-halten hätte. Das war nun nicht möglich; weil ihm die Krafts mangelte, die streitenden Parteien zu beherrschen oder zu lei-k ten, so gab er des Friedens wegen mancher stürmischen Fo-